Mylauer Dimensionen. Die Bohrmaschinisten Marco Grüner und Thomas Göttlich trieben am Dienstag die Fallschlitze in den mehr als 80 Meter hohen Schlot am Vogtland-Ballon. Bis Freitag bleibt noch Zeit, um auch den nahen Kohlebunker auf dem ehemaligen TVW-Gelände für die Sprengung vorzubereiten. Dann sollen Esse und Bunker fast zeitgleich fallen.
Foto: Franko Martin
Am Freitag fällt der Riese am Vogtland-Ballon
Für die Sprengung in der TVW-Industriebrache wird das Gelände an der Göltzschtalbrücke weiträumig gesperrt
Mylau. Ballonfahrer Gerd Melchinger ärgert sich. "Wenn die Esse und der Bunker hochgehen, das würde ich zu gerne von oben aus sehen. Aber leider steigt der Ballon aus Sicherheitsgründen ohne Besatzung auf. Also werde ich das vom Boden aus filmen." Der Pilot hatte am Dienstag vom Vogtland-Ballon-Standort aus beste Sicht auf die begonnenen Vorbereitungsarbeiten. Zwei Bohrmaschinisten der Hartsteinwerke Oelsnitz schaffen ein paar Steinwürfe weiter bis Freitag die Voraussetzungen für eine Sprengung der Superlative. Freitag, 15 Uhr fallen der Riesenschlot und der Kohlebunker der ehemaligen TVW-Färberei. Der Abriss anderer Gebäude der Brache an der Göltzsch läuft schon länger und macht Platz für eine neue Industrieansiedlung.
Polizei und Wehr riegeln ab
Für die Sprengung rechnet Uwe Bernhard mit großem Interesse. "Ich empfehle Schaulustigen den Standort an der Kreuzung der B 173 zur Brückenstraße", sagt der Sprengmeister von den Hartsteinwerken. Alles andere rings um den Ballon riegeln Polizei und Feuerwehr ab. Komplett gesperrt ist die Brückenstraße ab Parkplatz Göltzschtalbrücke bis zur Bundesstraße, dicht sind zudem der Karl-Marx-Ring und der nahe Wanderweg. Auch bei seinem 88. Schlot will Uwe Bernhardt nicht das geringste Risiko eingehen. Deshalb sollte am Freitag auch das Wetter passen, da der Ballon auffahren muss. Ein Leck in der Ballonhülle wäre bei den gegenwärtigen Heliumpreisen eine kleine Katastrophe.
Um den mehr als 80 Meter hohen Giganten exakt in sein Fallbett fast parallel zur Göltzschtalbrücke zu legen, überlassen Uwe Bernhardt und die Bohrmaschinisten Marco Grüner und Thomas Göttlich nichts dem Zufall. Dabei gehen sie mit dem Anlegen von Fallschlitzen wie beim Fällen von Bäumen vor. Mit Elektrohämmern schlagen sie zwei große Löcher in Form von Dreiecken in die fast einen Meter dicke Ziegelwandung des achtseitigen Schlots. Den Rest sollen am Freitag ein paar Kilo Sprengstoff erledigen, die an der dem Ballon-Standort abgewandten Seite gezündet werden und den Schlot so vom Ballon wegfallen lassen. "Dann folgen innerhalb von Sekunden die Sprengungen der Bunkerträger", erklärt Uwe Bernhardt.
Nawarra: Abriss folgt Neubau
Einer, der sich das explosive Schauspiel am Freitag sicher nicht entgehen lässt, ist Werkleiter Frank Roßig von Nawarra-Süßwaren Mylau. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen hatte die nach der Wende vom Textilveredler J. G. Knopfs Sohn in Helmbrechts erworbene TVW-Immobilie jüngst gekauft und lässt sie jetzt, gefördert von der öffentlichen Hand, abreißen. Dann soll dort ein Produktions- und Logistik-Werkteil entstehen. Frank Roßig: "Mehr, auch zur Zeitschiene, kann ich noch nicht sagen."
Auch am Ballon geht nach der Sprengung der Geschäftsalltag wie gewohnt weiter. Jetzt, außerhalb der Passagier-Saison, stehen weitere Tests des Ballonkran-Systems von CL Cargolifter an. Die Gesellschaft vermarktet die Kran-Innovation allerdings nicht mehr von Deutschland aus. Seite 14: Cargolifter geht nach Luxemburg


