Uwe Tellkamp signierte nach seiner Lesung in der Vogtlandbibliothek Bücher.
Foto: Ellen Liebner
Erfolgsautor Uwe Tellkamp erklärt Plauen zur Heldenstadt
Uwe Tellkamp war am Mittwochabend zu Gast in der Vogtlandbibliothek
Plauen. "Die Karten waren bereits nach kurzer Zeit ausgekauft, wir haben nun einmal nur Platz für 100 Leute", gestand Bibliothekschef Günther Reichel. Und so schätzte sich glücklich, wer ein Ticket erhalten hatte. Eva Möllemann zum Beispiel. Von Tellkamps Besteller "Der Turm" hat die Plauenerin erst 492 Seiten geschafft, ihn bald fertig zu lesen, steht jedoch auf ihrer Liste. Noch um die 500 Seiten liegen vor ihr. Bei solchen Wälzern stöhnen viele. Nicht Möllemann: "Ich hatte mir das Buch geliehen und musste es halt zurück geben", bedauerte sie. Besonders von der Sprache Tellkamps und den verflochtenen Erzählsträngen sei die Kunst- und Kulturfreundin verzaubert gewesen.
Während der Lesung wurde schnell klar, dass der 43-jährige Autor und mehrfach preisgekrönte Romancier aus Dresden offensichtlich ein Schwiegermuttertraum ist. Der Mann, weithin bekannt für seine Mütze ähnlich einer Baske, bewies erneut Geschmack für Mode. Stilsicher erschien er in roter Samthose.
Beim Querschnitt aus seinem bisher größten Erfolg hatte Tellkamp bewusst die humorvolleren Kapitel seines Opus über die untergehende DDR gewählt. Er trug sie zwar nicht sonderlich laut vor, konnte sich deshalb aber der Aufmerksamkeit des Publikums gewiss sein. Politische Witze, kompliziert zu planende Besuche auf der Leipziger Buchmesse, Intellektuelle, die in Produktionsbetrieben malochten - die interessierten Zuhörer erkannten sich selbst oder Freude und Verwandte in den Schilderungen wieder.
Tellkamp verfasst Sätze in einer Länge, die es seit Thomas Mann kaum mehr gegeben hat. Eine Erklärung für seine ausgeschmückte, teils ausufernde Epik mag darin liegen, dass, so der Autor, die Lyrik für ihn das Größte sei. "Allerdings schreibe ich Gedichte nur für mich", bekannte der Familienvater.
Nach dem Ende der offiziellen Lesung überraschte Tellkamp mit einem Auszug aus Ilko-Sascha Kowalczuks Sachbuch "Endspiel". In Plauen, so hat der Schriftsteller dadurch erfahren, seien im Oktober 1989 prozentual zur Einwohnerzahl mehr Menschen auf die Straße gegangen als in einer anderen Stadt Ostdeutschlands. "Leider waren die Medien in Berlin oder Leipzig schneller zu Stelle, um zu berichten." Tellkamp, der betonte, dass er kein Schmeichler sei, sprach seine Hochachtung aus und plädierte dafür, dass Plauen das Siegel "Heldenstadt" bekommt.
Mehr als eine Stunde dauerte die Diskussion Tellkamps mit seinen Lesern. Er beantwortete Fragen wie die nach dem Mitspracherecht bei der Verfilmung des "Turms" und nach den vielen "sprechenden Namen" seines Werks, etwa dem des Katers. Der heißt übrigens Chakamankabudibaba. Das achtsilbige Wort wurde einem Hauffschen Märchen entliehen.


