77 Vogtländer stehen wieder auf der Straße
Insolvenz der Beschäftigungsgesellschaft Klingenthal: Vom Europäischen Sozialfonds finanzierte Maßnahmen müssen abgebrochen werden
Klingenthal. Klingenthal. Für 77 Mitarbeiter der in Insolvenz befindlichen Beschäftigungsgesellschaft Klingenthal (BGK) war es am Freitag ein schwerer Tag. Ihre über den Europäischen Sozialfonds finanzierten Maßnahmen werden zum Monatsende abgebrochen. Die 77 Mitarbeiter, viele von ihnen waren vor Beginn der Beschäftigungsmaßnahmen im vergangenen Jahr langzeitarbeitslos, sind ab sofort freigestellt. Ab Montag läuft für sie die 14-tägige Kündigungsfrist.
Betroffen sind vogtlandweit 44 Einrichtungen - vom Café B und dem Tierpark in Klingenthal über Kommunen, museale Einrichtungen, dem Deutschen Roten Kreuz bis zum Neuberinhaus in Reichenbach.
Nach "Freie Presse" vorliegenden Informationen hatte der als Insolvenzverwalter eingesetzte Rechtsanwalt Rüdiger Weiß noch am Freitag in einer Besprechung mit der Arge Plauen sowie der Sächsischen Aufbaubank eine Variante präsentiert, wonach alle Beschäftigungsverhältnisse ab 1. April durch die Bildungsinstitut Pscherer aus Lengefeld übernommen werden sollten. Nachdem die Fördermittelgeber aber darauf bestanden, dass das Bildungsinstitut auch für eventuelle Verbindlichkeiten vor dem 1.April die Haftung übernehmen solle, lehnte Pscherer ab.
Hierauf kündigten die Fördermittelgeber an, dass keine weiteren Auszahlungen für die Arbeitnehmer in Beschäftigungsverhältnissen erfolgen, so dass Weiß am Nachmittag die betroffenen Arbeitnehmer über die aktuelle Entwicklung informieren musste. Gegenüber der "Freien Presse" erklärte der Insolvenzverwalter, dass er den wirtschaftlich zwingend notwendigen Schritt zutiefst bedauere und die Fördermittelgeber eine schnellstmögliche Prüfung der Möglichkeit zur Neuvergabe zugesagt hätten. Dies wird den betroffenen Einrichtungen aktuell wenig nutzen, da diese hiervon voraussichtlich erst am Montag erfahren werden. Ein Teil von ihnen wird den Geschäftsbetrieb ohne die BGK-Arbeitnehmer wahrscheinlich nicht aufrecht erhalten können.
Die BGK ist eine 100-prozentige Tochter der Stadt Klingenthal, welche bis zur Verfahrenseröffnung die Gelegenheit gehabt hätte, die Insolvenz abzuwenden.
Die auch nach Verfahrenseröffnung weiter beschäftigte Geschäftsführerin Anette Schürer betonte auf Nachfrage, dass sie gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter alles versucht habe, um die Arbeitsplätze zu erhalten und den Entschluss der Fördermittelgeber sowie der Stadt Klingenthal nicht nachvollziehen könne. Sie dankte am Freitag den Arbeitnehmern für die bislang geleistete Arbeit. Dabei sind auf beiden Seiten Tränen geflossen.