General Begehrter Gesprächspartner in Oelsnitz: Der einst rangsthöchste Soldat der Bundeswehr, General a.D. Hans-Peter von Kirchbach.

Foto: H. Schneider

Dienen ist kein Überbleibsel aus der Mottenkiste der Militärs

Ex-General Hans-Peter von Kirchbach entwirft auf Schloss Voigtsberg sein Gesellschaftsbild - Prominenter Gast geht auf die Besucher zu

Oelsnitz. Oelsnitz. Es hatte etwas von der Runde ums Kaminfeuer, der Auftakt zur Reihe "Gespräche im Schloss" am Mittwoch in Oelsnitz. Im Halbrund saßen gut 100 Gäste vor dem Eingang zur Georgskapelle im Fürstensaal von Schloss Voigtsberg und lauschten dem einst ranghöchsten Soldaten der Bundeswehr, General a.D. Hans-Peter von Kirchbach.

Wer erwartet hatte, unter der Überschrift "In Freiheit dienen" einen Rückblick auf vier Jahrzehnte Soldatenlaufbahn zu hören, dessen Vorstellung durchkreuzte der als "Held von der Oder" beim Hochwasser 1997 populär gewordene Offizier. "Das Soldatische ist nur eine kleine Sphäre", betonte der 68-Jährige. Für Kirchbach ist Dienen kein Überbleibsel aus der Mottenkiste der Militärs. Sondern eine Tugend, die auf Überzeugung, nicht auf Zwang beruhend eine Gesellschaft zusammenhält. Hier sprach nicht allein der hohe Militär, sondern auch der Präsident der Johanniter-Unfallhilfe, der Christ, der Pfadfinder. Nicht weniger als ein komplettes Gesellschaftsbild war es, dass Kirchbach in fünf Thesen entwarf. Die Deutschen sollten die Einheit leben, Freiheit als Freiraum und Verantwortung zugleich begreifen. Sich in den Dienst der Freiheit stellen, heißt für den General, Menschenrechte achten, Kraft aus Traditionen ziehen, selbst zum Gelingen eines Staates beizutragen und andere zum Engagement zu ermuntern.

In der Fragerunde - aus Zeitgründen kamen nicht alle Interessierten zu Wort - ging Kirchbach auf die Gäste zu, auch der eigenen Schwerhörigkeit wegen. "Nachwirkungen der Kanonenschüsse", erklärte er. Kirchbach vermied es, der Politik Ratschläge zu erteilen. "Laden Sie diese Frage nicht bei der Bundeswehr ab", beschied er etwa den Oelsnitzer Thomas Lehniger, der den General bat, sich für ein rasches Ende des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr einzusetzen. "Das ist eine politische Entscheidung, eine Sache des Parlaments." Zugleich formulierte er auch Positionen - etwa zum Thema neue Wehrpflicht. "Sechs Monate ist ein unbefriedigender Kompromiss. Wenn das nur Grundausbildung mit verlängertem Kaffeekochen ist, bringt das nichts."

Nächster Termin der Veranstaltungsreihe ist der 12. Mai. Dann heißt es im Schloss "Streng geheim! Ein Freimaurer im Gespräch".

 
erschienen am 18.03.2010 ( Von Ronny Hager )
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern