Um Bewegungen im Damm erkennen zu können, sprühten THW-Helfer auf der Krone eine grüne Linie auf. So wurde sichtbar, dass der Erdwall bis zum Nachmittag gut 30 Zentimeter nach vorn nachgab und an einer Stelle bis zu einem halben Meter absackte.

Foto: Erzfoto

Flut-Helfer kämpfen an der grünen Linie

Auch Lengenfelder und Reichenbacher helfen in Taltitz

Taltitz. Die rund 500 Einwohner im Oelsnitzer Ortsteil Taltitz sind am Wochenende knapp an einer Katastrophe vorbei geschrammt. Nach den starken Regenfällen in der Nacht zum Samstag drohte der Damm des etwa zwei Hektar großen, erhöht am Ortsrand gelegenen Mühlteiches zu brechen.

Damit wären rund 30.000 Kubikmeter Wasser sowie tonnenweise Schlamm und Geröll ins Dorf sowie auf die knapp 500 Meter entfernt gelegene Autobahn zugerast. Sie wurde vorsorglich in beide Richtungen gesperrt. Zudem wurden aus fünf Häusern und zwei Gaststätten etwa 60 Menschen evakuiert. Erst am Sonntagvormittag konnten sie wieder zurückkehren.

Bereits ab Freitagabend hatte die Taltitzer Feuerwehr alle Hände voll zu tun, vollgelaufene Keller leerzupumpen und überflutete Straßen zu säubern. "Am Morgen haben wir bei einer Kontrollfahrt bemerkt, dass sich am Damm Sickerstellen gebildet hatten", sagte der Taltitzer Wehrleiter Marko Stüber, der den Einsatz koordinierte. Zusätzliche Feuerwehren, das Technische Hilfswerk und Helfer aus dem Dorf rückten an, um das aus Lehm und aufgeschütteter Erde bestehende Bauwerk zu stabilisieren. Zudem wurde Wasser abgepumpt, da der Abfluss des Teiches nicht mehr funktionierte. Um Bewegungen im Damm erkennen zu können, sprühten THW-Helfer auf der Krone eine grüne Linie auf. So wurde sichtbar, dass der Erdwall bis zum Nachmittag gut 30 Zentimeter nach vorn nachgab und an einer Stelle bis zu einem halben Meter absackte. Grund genug für die Polizei, die A 72 gegen 15Uhr zwischen Plauen-Süd und Pirk dicht zu machen. Denn nur zwei Minuten wären vergangen, bis Wasser und Geröll bei einem Dammbruch die zu dieser Zeit stark befahrene Straße erreicht hätten.

Zahlreiche Unfälle wären die Folge gewesen, ist Landrat Tassilo Lenk überzeugt, der gemeinsam mit der Oelsnitzer Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius (beide CDU) zum Krisenstab gehörte. "Wir konnten kein Risiko eingehen", verteidigte Lenk die Entscheidung, in deren Folge tausende Autofahrer im Stau standen oder aufgrund der Verkehrsmeldungen im Rundfunk gleich einen Bogen ums Vogtland machten.

Erst zum Abend hin entspannte sich die Situation, eine zweite grüne Kontrolllinie zeigte keine Veränderung mehr an. Experten der Landestalsperrenverwaltung gaben in der Nacht Entwarnung. Ab 23.30 Uhr rollte der Verkehr auf der A 72 wieder. Allerdings wurde auch am Sonntag weiter Wasser abgepumpt, Feuerwehrleute kontrollierten den Damm, der nun saniert werden soll.


 
erschienen am 25.07.2010 ( Von Thomas Stranz )
 
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