In Freiberg ging es am Sonntag zum Start der neuen Formel 1-Saison hoch her. Im Bild von links: Daniel Wunderlich, Roger Prevratil, Marko Sörgel, Jens Tacke, Enrico Menz, Christin Schneider, Rico Schmidt, Roberto Graslaub, Denny Schwarz und Martin Schanz.
Foto: Eckhard Sommer
Jagd auf schnellste Rundenzeiten eröffnet
Wie eine Männergesellschaft im Adorfer Ortsteil Freiberg die Formel-1-Saison erlebt und erleidet
Freiberg. Bis in den Adorfer Ortsteil Freiberg ist am Sonntagnachmittag die Welle der Begeisterung geschwappt.
Pünktlich 13 Uhr sitzt dort eine verschworene Formel-1-Gemeinschaft in ihrem Bauwagen: Wolfgang Tacke, Daniel Wunderlich, Roger Prevratil, Marko Sörgel, Jens Tacke, Enrico Menz, Christin Schneider, Roberto Graslaub, Martin Schanz, Denny Schwarz, Rico Schmidt und Frank Schulz.
Nur Holger Kouba, der wohl "verrückteste" Fan in der Runde, fehlt ausnahmsweise. Er ist bei seiner Tochter in Deggendorf - ging nicht anders, musste sein. Natürlich hockt er trotzdem in Bayern vor einem Apparat und hält mit seinem Fanclub Kontakt übers Telefon.
Der Fernseher läuft, die Fenster sind abgedunkelt, damit alles gut zu sehen ist. In der Ecke neben der Tür bullert der Ofen und der Vorrat an Bier sollte für die nächsten zwei Stunden reichen. "Endlich geht's wieder los, hat aber auch lange gedauert", ist Marko Sörgel froh.
Jetzt wird der Sonntag endlich wieder spannend, und das liegt vor allem an Michael Schumacher. Als der siebenfache Weltmeister im Sommer sein Comeback ankündigte, war die Freiberger Runde richtig aufgefühlt gewesen. Jetzt wird es Ernst, auch wenn Schumacher nun kein Roter mehr ist, sondern ein Grauer: "Das ist mir egal", versichert Roger Prevratil.
"Ich bin schon immer Schumi-Fan gewesen, egal welche Farbe sein Rennanzug hat und in was für einem Auto er sitzt. Hauptsache, er sitzt wieder drin." Marko Sörgel als Mercedes-Fan ist doppelt froh: "Mit Schumi werden wir wieder richtig stark, aber ein großer Fan von ihm bin ich eigentlich nicht. Auf jeden Fall kommt durch ihn jetzt wieder Pfeffer in die Formel 1."
Die Karten der Sympathie sind in Freiberg seit jeher ausgewogen verteilt: Von Plakaten an der Wand des Bauwagens grinst Schumacher, auf dem Tisch liegt eine Mercedes-Fahne, ansonsten kommen auch die anderen Marken mit ihren Fanartikeln nicht zu kurz. Einzig Enrico Menz schwört auf Renault. Deshalb lässt ihn das ganze Hin und Her um Rot oder Grau kalt. Der Ofen in der Ecke des Bauwagens, der ist wirklich heiß.
Ein echtes Gefühlsproblem hat jedoch Holger Kouba: Er ist ein so knallharter Ferraristi, dass er sogar rote Bettwäsche und Unterwäsche im Kleiderschrank zu liegen hat und die Fahne mit dem aufsteigenden Mustang auf dem Hausdach hisst. Seine glücklichste Zeit als Fan war, als Schumi in einem Ferrari fuhr und WM-Titel sammelte. Flüchtet er sich jetzt auf die andere Farbenseite? "Kommt nicht in Frage", versichert Kouba am Telefon. "Ich bleibe natürlich vor allem bei Ferrari. Aber Schumi drücke ich auch die Daumen, denn er ist doch ein klasse Fahrer."
Ob das wirklich immer noch so ist, wird sich in Zukunft zeigen. Die beiden Ferraris mit Alonso und Massa haben am Sonntag sehr zur Freude von Kouba einen Doppelsieg eingefahren. Roger Prevratil zieht nach dem Saisonauftakt in Bahrein sein Fazit: "Heute hat es für Schumi nicht geklappt. Dann eben das nächste Mal. Den Champion soll bloß keiner abschreiben!" Die Roten können sich ein Grinsen nicht verkneifen, und Holger Kouba jubelt in Bayern.