Straße knüpft ein Band zwischen Nachbarn
16,5 Millionen Euro für schnellere Verbindung zwischen Adorf und dem Ascher Zipfel
Ebmath/Roßbach. Aus der Musikanlage tönen Gute-Laune-Lieder, die Sonne läuft zu Bestform auf. Eine Steilvorlage für die Feierstunde am Montagmittag auf einer Wiese, nur einen Steinwurf vom Grenzübergang Ebmath-Roßbach/Hranice entfernt.
Auf einer Bühne würdigten tschechische und deutsche Redner vor Politikern, Verwaltungsleuten, Straßenbauern und ein paar Bürgern den Start eines grenzüberschreitenden Projekts. 16,5 Millionen Euro werden in den nächsten vier Jahren verbaut, um das obere Vogtland und den Ascher Zipfel besser an überregionale Straßen anzuschließen.
Was im Amtsdeutsch Ausbau der Straßenverbindung Adorf-Asch/Aš heißt, sind zwei Ortsumgehungen und der Ausbau eines bestehenden Abschnitts. Dickster Brocken ist die Straße, die aus Richtung Deutschland einen Bogen rechts um Roßbach schlägt. Die 4,5 Kilometer lange Trasse mit vier neuen Brücken und einem Kreisverkehr kostet zehn Millionen Euro. Die Buddelei auf tschechischer Seite hat begonnen.
Ende Oktober zieht laut Bernd Rohde, Abteilungsleiter Verkehr im sächsischen Wirtschaftsministerium, die deutsche Seite nach. Erste Arbeit für die Umgehung Freiberg (4,3 Millionen Euro) ist die Rodung von drei Hektar Wald. Zudem wird die Straße am Grenzübergang für 650.000 Euro und das Stück zwischen der Einmündung Bergen und Ortseingang Ebmath für 430.000 Euro ausgebaut. Nach Ende der Arbeiten ist die Fahrbahn mit 6,50 Meter so breit wie vorgeschrieben.
Schneller und sicherer zwischen oberen Vogtland und dem Ascher Zipfel unterwegs - möglich wird's nur durch die EU. Die zahlt über das Förderprogramm Cil III 85 Prozent der Kosten. Unter Regie des Straßenbauamtes Plauen können Planer und Bauleute nun beweisen, dass Nachbarschaft nicht nur auf dem Papier steht, sondern gelebt wird. Am Montag klappte es schon mit dem gemeinsamen Takt: Bevor sich der Bagger in die Erde wühlte, griff sich jeder der neun Redner des Tages einen Hammer mit verchromtem Kopf und Inschrift und klopfte symbolisch auf einen Findling, der zur Erinnerung als erstes "Bauwerk" bereits seinen Platz gefunden hat.
Bei aller Freude: Wünsche bleiben, auch Bedenken. Denn mit dem Ausbau fällt die bisherige Beschränkung auf Verkehr bis 3,5 Tonnen weg. "Wir sollten das so gestalten, dass der Verkehr erträglich ist und die Orte frei gehalten werden von überregionalen Schwerlastverkehr", so Eichigts Bürgermeister Christoph Stölzel (SPD). Die Leute in Süßebach, Eichigt und Ebmath sehen die Verdreifachung des Verkehrs im Vergleich zu 2008 mit Sorge und fordern Fußwege entlang der Straße. Die Hoffnung der Ebmather, eine Umgehung zu bekommen, ist zerplatzt wie eine Seifenblase.
"Die neue Straße berührt die Lebensweise aller Einwohner von Roßbach. Die Eröffnung der Übergänge hat etliche Belastungen gebracht. Wir freuen uns, die loszuwerden", sagte Roßbachs Stadtoberhaupt Jan Hýbl. Zugleich mahnte er den weiteren Ausbau der Straße ins Landesinnere an - sie ist schmal und nicht in besten Zustand. "Es wäre logisch, wenn sich der Bau Richtung Asch fortsetzt", gab ihm der stellvertretende Karlsbader Landrat Petr Navrátil Recht und versprach, sich darum zu bemühen.