Blatt aus einem Stundenbuch Blatt aus einem Stundenbuch, handgearbeitet auf Pergament, mit Temperafarbe und Gold. Größe: rund 14 mal 10 Zentimeter.

Foto: Harald Sulski

Wertvolles Stück für neues Museum

Oelsnitz erwirbt Blatt aus einem Stundenbuch - Es wird Bestandteil der Ausstellung für Illustrationskunst

Oelsnitz. Oelsnitz. Das geplante Museum für Illustrationskunst ist um einen Mosaikstein reicher: Die Seite eines handschriftlichen Stundenbuches aus der Zeit um 1485. Es wurde am Dienstag auf Schloss Voigtsberg präsentiert.

Stundenbücher kamen im 13.Jahrhundert auf und sind eine Art Gebets- und Andachtsbücher für das Stundengebet gewesen. "Der Text ist mit bildlichen Geschichten kombiniert. Die kleinen Bücher, in Klöstern handgefertigt, gelten als klassische Illustration im abendländischen Bereich, also der Anfang der Illustrationskunst", erklärte Roman Goldhahn von der Oelsnitzer Stadtmarketing und Tourismus GmbH. Im 16./17. Jahrhundert sei es üblich gewesen, Seiten aus den Stundenbüchern zu trennen und weiterzureichen. Weltweit gebe es nur noch 3000 Stück.

Wert: 4000 Euro

Jenes, das jetzt Oelsnitz besitzt, wurde für rund 4000 Euro auf einer Auktion in Pforzheim erworben. Die Hälfte des Geldes brachte die Stadtmarketing und Tourismus GmbH auf, die andere Hälfte übernahm der Förderverein Schloss Voigtsberg. Dessen Vorsitzender Thomas Lehniger übergab den symbolischen Scheck von 2000 Euro an Eckhardt Scharf, Geschäftsführer der Stadtmarketing und Tourismus GmbH.

Da das wertvolle Blatt den Anfang der Illustrationskunst darstellt, soll es den Rundgang im künftigen Illustrationsmuseum einleiten. Zu sehen gibt es vor allem Werke der Illustratorin Regine Heinecke aus Bobenneukirchen. Sie hat ihr Lebenswerk per Vertrag der Stadt Oelsnitz vermacht. Etwa 2350 Exponate lagern bereits in einem Depot. Doch nicht nur die vorwiegend kleinen Drucke sollen im geplanten Museum zu sehen sein. Auch die Geschichte des Illustrierens soll widergespiegelt werden, von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wie genau, dazu wird derzeit eine Konzeption erarbeitet.

Seinen Platz wird das Museum laut Eckhardt Scharf im Obergeschoss der Kernburg, rechts des Fürstensaals erhalten: Rittersaal, Webersaal und großer Turmsaal sind dem Illustrationskunst-Museum vorbehalten, das wiederum Teil eines Museums der Bildenden Kunst wird. Dieses Projekt soll gemeinsam mit Asch/Aš, der Partnerstadt von Oelsnitz umgesetzt werden. Solche länderübergreifenden Vorhaben sind förderfähig. Bis September will die Oelsnitzer Stadtmarketing und Tourismus GmbH einen entsprechenden Förderantrag erarbeitet haben. Bis er bearbeitet ist, gehen laut Scharf mindestens fünf Monate ins Land. Erst dann könne mit der Gestaltung des Illustrations-Museum begonnen werden.

Großer musealer Bereich

Bereits dieses Jahr soll ein weiteres Museum auf Schloss Voigtsberg der Öffentlichkeit zugänglich sein. Im Gewölbe der Kernburg wird eine Bergbau- und Mineralien-Ausstellung etabliert. Die Stadt hat kürzlich von einem anonymen Spender rund 500 Mineralien erhalten. Im unteren Bereich der Burg erhalten künftig Besucher Einblicke in Handwerk und Gewerbe der Stadt. Scharf: "Ein großer Teil der Kernburg wird zu einem musealen Bereich, der sich in verschiedene Abteilungen untergliedert. Auch die Stadt- und Regionalgeschichte wird nicht fehlen." Bis 2013 soll alles fertig sein.

Blatt des Stundenbuches

Es zeigt verschiedene Passagen aus dem Leben Mariens.

Hauptminiatur: Verkündung Mariens durch Erzengel Gabriel

Miniatur rechts oben: Joachim und Anna vor der Goldenen Pforte in Jerusalem

Miniatur rechts unten: Geburt Mariens

Miniatur links unten: Tempelgang Mariens

 
erschienen am 20.07.2010 ( Von Gabi Gleißberg )
 
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