Bürgermeister Andreas Jacob Bürgermeister Andreas Jacob: "Die Musikhalle ist uns kein Klotz am Bein."

Foto: Harald Sulski

"Wir werden sie uns weiter leisten"

15 Jahre Musikhalle Markneukirchen: Geldnot und Suche nach Lösung für die Zukunft - Größe des Hauses Problem

Markneukirchen. Markneukirchen. 15 Jahre ist die Musikhalle Markneukirchen in diesem Jahr geworden. Ein Jubiläum, das im April und Juni eher klein gefeiert wurde. Mit Blick auf leere Kassen und den steten Zuschussbedarf sind es alles andere als goldene Zeiten für den größten Veranstaltungstempel des oberen Vogtlandes. Für "Freie Presse" sprach Ronny Hager mit Bürgermeister Andreas Jacob (CDU) über die Zukunft des Hauses.

"Freie Presse": Wie lange kann sich Markneukirchen die Musikhalle noch leisten?

Andreas Jacob: So lange der politische Wille besteht, die Musikhalle zu erhalten - und das ist nach wie vor der Fall. Es gab im Stadtrat nie Diskussionen darüber, sie zu schließen. Es steht fest: Wir werden uns die Halle weiter leisten, schon, weil sie wegen des Instrumentalwettbewerbes gebraucht wird.

"Freie Presse": Es hat sich der Eindruck festgesetzt: Es gibt wenige Veranstaltungen, die die Halle füllen.

Jacob: Der Eindruck ist richtig, dass die Halle nicht mehr so von sich reden macht, wie vor 15 Jahren. Zuletzt war das Neujahrskonzert ausverkauft. Wir sind ständig am arbeiten, wie wir die Halle auslasten können. Aber man muss es einmal sagen: Es fehlen uns die guten Ideen.

"Freie Presse": Ist die Halle mit mehr als 900 Plätzen zu groß?

Jacob: Ja, sie ist zu groß. Wir suchen nach einer Lösung, wie wir die Halle auf geeignete Weise teilen können, damit man sich darin nicht so verloren fühlt, wenn weniger Besucher da sind. Derzeit gibt es im Jahr so an die 100 Veranstaltungen, die mehr oder weniger auf Einpachtungsbasis stattfinden.

"Freie Presse": Gehört das angrenzende tschechische Gebiet inzwischen zum Einzugsgebiet der Halle?

Jacob: Erfahrungsgemäß ist das nicht der Fall. Die Hoffnung bleibt, aber derzeit hat unser Einzugsgebiet nur einen Radius von 180 Grad.

"Freie Presse": Wie beurteilen Sie im Rückblick 15 Jahre Musikhalle?

Jacob: Die Erwartungshaltung war zu groß - siehe die Überdimensionierung. Dann die Gaststätte, die schwer nutzbar ist. Das hat den Preis hochgetrieben und sich im Nachhinein als nicht so toll herausgestellt. Wenn die Halle voll ausgelastet ist, ist die Küche zu klein.

"Freie Presse": Würden sie heute wieder eine Musikhalle bauen?

Jacob: Wir würden vielleicht wieder bauen, aber wir würden manches anders machen.

"Freie Presse": Welchen Zuschuss erhält die Musikhalle pro Jahr?

Jacob: 70.000 Euro. Wir haben ihn in diesem Jahr von 75.000 Euro etwas gekürzt. Dann haben wir jedes Jahr 10.000 Euro zweckgebunden für Reparaturen zurückgelegt - denn nach 15 Jahren ist das Haus nicht mehr neu. Das Geld haben wir aber gebraucht, um unseren Haushalt auszugleichen.

"Freie Presse": Mit dem Abgang von Rico Stengel gibt es jetzt keinen Geschäftsführer der Musikhalle mehr.

Jacob: Das wird sich wieder ändern. Die Halle ist eine GmbH, deshalb muss sie auch einen Geschäftsführer haben. Es wird aber keine zusätzlichen Einstellungen geben.

"Freie Presse": Welche Perspektiven hat die Musikhalle?

Jacob: Das ist die schwerste Frage von allen. Mein Ziel ist es, die Musikhalle so zu nutzen, indem wir kleinere Veranstaltungen anbieten - was man sich in der Vergangenheit oft nicht getraut hat. Ich stelle mir schon vor, dass wir wieder eigene Veranstaltungen dort machen wollen, wobei man natürlich sehen muss, das hier im oberen Vogtland ein sehr großer Wettbewerb herrscht. Aber die Musikhalle ist uns deshalb kein Klotz am Bein.

 
erschienen am 19.07.2010
 
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