In Posseck dabei war auch der Freund historischer Armeetechnik Jens Eckert aus Adorf mit seinem Ferret-Panzer.
Foto: Eckhard Sommer
Mit dem Panzer auf Spazierfahrt
Militärfahrzeugtreffen findet zum zweiten Mal in der ehemaligen Grenzkompanie Posseck statt
Posseck. Posseck. Vor Ronald Müller standen alle stramm. Gut war es anzusehen, wie der Plauener übers Gelände schritt: in faltenloser Uniform, die Mütze mit korrektem Sitz, das Koppel gestrafft überm Bauch, das Schloss exakt in Nabelhöhe, dazu die drei blitzenden Sterne auf den goldenen Schulterstücken. Ein Generaloberst - mehr ging eigentlich nicht, darüber kam nur noch der Armeegeneral. "Früher, als ich gedient habe, ist mir so ein hoher Dienstgrad nie unter die Augen gekommen. Und jetzt bin ich selbst einer." Er ist Sammler von Militärgut aus DDR-Zeiten. Ronald Müller hat seine Prunkuniform durch Zufall bekommen. Er trägt sie nur zu solchen Anlässen wie diesem Militärtreffen in Posseck.
Er war nicht der Einzige, der sich für das Wochenende von einem Zivilisten in einen NVA-Anhörigen verwandelt hatte. Auch die anderen Freunde historischer Militärtechnik schlüpften in die Rolle von Panzersoldaten, Leutnants oder liefen einfach nur als niedere Dienstgrade herum. Was sie alle verbindet und nach Posseck in die ehemalige Grenzkompanie kommen ließ, war das Interesse an Technik: an Panzern, KRAS und SIL, an Panzerspähwagen oder zu Kübelwagen umgebaute Trabis. Museales Interesse statt militärisches Ostalgiegehabe. Das unterstreicht auch Robby Hager, der das knapp sechs Hektar große Gelände samt Kaserne erworben hat: "Ich will es nach und nach zu einem Museum einrichten. Viele der Jüngeren wissen doch gar nicht mehr, wie es früher war. Das können sie hier erfahren. Das bedeutet ja nicht, dass es wieder so werden soll wie früher. Aber es interessiert die Leute, das sieht man doch an den Besuchern. Es ist einfach Wahnsinn, wie viele gekommen sind. Unser Treffen soll auch künftig einen Volksfestcharakter bekommen."
Für das Früher interessierten sich zum Beispiel Edwin Lippold (15) aus Greiz und Daniel Berger (18) aus Apolda, die in Uniform auf einem Panzerspähwagen saßen. Fast einstimmig meinten sie: "Die Waffen sind nicht wichtig. Die Technik ist unser Hobby, wie sie funktioniert hat, wie sie aufgebaut ist." Tino Glaß aus Falkenstein hat "irgendwann damit angefangen, weil''s Spaß macht, sich mit der Technik zu beschäftigen". So sieht das auch Jens Eckert aus Adorf: "Mich interessiert das schon lange, genauso wie Modelleisenbahnen." Er war mit seinem Ferret-Panzer nach Posseck gerollt. Den hat er günstig erworben. Wie und woher? Das verriet er allerdings - wie auch andere Technikbesitzer - nicht. Nur so viel: "Beziehungen." Am schwierigsten sei es gewesen, das Fahrzeug entmilitarisieren zu lassen und eine Zulassung zu bekommen. Jetzt hat Jens Eckert alle notwendigen Papiere, dass er rein theoretisch damit "morgens zum Bäcker fahren könnte".
Uwe Lippold und sein Söhnchen Jannik aus Weida waren nicht die Einzigen, die es "einfach cool" fanden, in einem OT90-Schützenpanzer zu sitzen und durchs Gelände geprescht zu werden. Frank Thor von Goßen aus Zwickau patrouillierte mit seinem Kübel-Trabi als Militärstreife. "Damals fand ich NVA scheiße, heute macht das Spaß." Hans-Werner Knabe aus Reichenbach war als Zivilist gekommen, um mit ehemaligen NVA-Angehörigen wie dem Generaloberst Müller über früher zu plaudern: "Ich war damals in der Rhön bei den Grenzern. Letztes Jahr haben wir uns wieder getroffen. Wenn meine Kumpels von früher sehen würden, was hier in Posseck aufgefahren ist, würden sie aus den Latschen kippen."

