Ein Plus bei den Gästen spürt auch das Unternehmen Sächsische Staatsbäder mit Sitz im historischen Albert-Bad.
Foto: Harald Sulski
Staatsbäder-Chef Gernot Ressler sieht Kurbäder an der Wende
"Unser Strategiewechsel fruchtet"
2010 hat der Österreicher Gernot Ressler das Steuer der Sächsischen Staatsbäder übernommen, einem Unternehmen des Freistaates. Über Schokobad, Radon und die richtige Dosis für seine Gäste sprach er mit Nicole Jähn.
"Freie Presse": Nach jahrelangem Rückgang bei den Übernachtungszahlen zeigt die Statistik jetzt im ersten Quartal ein deutliches Plus. Ihr Verdienst?
Gernot Ressler: Positiv ist zu sehen, dass alle zugelegt haben: Kliniken und private Anbieter, sowohl in Bad Elster, als auch in Bad Brambach. Unser Strategiewechsel Ende 2010 von Schokoladenbad und Wellness hin zu den traditionellen Stärken Gesundheit, Kur und Prävention scheint nun zu fruchten. Ein Kurgast bleibt auch länger als ein Wellnessgast. Davon profitieren alle.
Wie sieht das konkret für Ihr Haus aus?
Wir haben im laufenden Geschäftsjahr eine Umsatzsteigerung von mehr als zehn Prozent erreicht. Es ist schön, wenn man endlich Licht am Ende des Tunnels sieht. Das Schwierigste ist, eine Abwärtsspirale zu stoppen. Aber ich glaube nicht, dass wir die zweistellige Steigerung über das Jahr halten können. Da wären wir zufrieden, wenn wir rund fünf Prozent erreichen. Die Hauptsache ist, es ist kein Strohfeuer. Die Vorbuchungen stimmen uns positiv, auch wenn es zu früh zum Jubeln ist.
Eine Auslastung von mehr als 65 Prozent wie im ersten Quartal wird in Hotelierkreisen als sehr gut angesehen. Ist das haltbar?
Wie ich zu schlechte Statistiken aus Kamenz nicht so recht glauben mag, erscheint mir dieser Punkt als zu schön um wahr zu sein.
Möglicherweise hängt das mit der Schließung eines Gästehauses zusammen. Muss sich Bad Elster erst gesund schrumpfen, um wieder zu trumpfen?
Es ist nicht so, dass wir zu viele Übernachtungsmöglichkeiten hätten. Bad Elster ist nicht zu groß. Doch was dem Kunden nicht entspricht, wird sich nicht halten können. Es wird eine weitere Bereinigung geben, aber das reguliert der Markt.
Gernot Ressler, Geschäftsführer Sächsische Staatsbäder.Foto: Foto: Sächsische Staatsbäder
Zur Radonkonferenz hat Umweltminister Kupfer vor Panikmache bei der Radonbelastung in Gebäuden gewarnt. Das Edelgas ist das Kapital der Staatsbäder. Trifft Sie das schlechte Image?
Förderlich ist es nicht. In der breiten Bevölkerung hat Radon vielleicht keinen guten Ruf. Aber wenn ein Schmerzpatient die Medikation deutlich mithilfe der Radon-Therapie reduzieren kann, ist das keine Frage der Stimmung. Und glücklicherweise ist unser Landstrich nicht außergewöhnlich hoch belastet.
Der Bereich ist auf der Radon-Karte rot gefärbt ...
Rosa. (Lacht) Sehen Sie, wie bei so vielem ist es immer eine Frage der Dosis und Dauer. Die medizinisch- therapeutische Anwendung läuft bei uns unter ärztlicher Aufsicht. Wir werden weiter auf Radon bei unseren Kuren setzen, denn dies ist das Alleinstellungsmerkmal für Bad Brambach und ein wichtiger Teil der Tradition der Kurorte.
In Bad Elster wird derzeit eine Umgehungsstraße diskutiert. Ihre Meinung?
Es ist ein zweischneidiges Schwert. Grundsätzlich ist in einem Kurort Verkehrsberuhigung besser als Belebung. Wichtig ist aber auch, dass das Kurzentrum gut erreichbar bleibt.

