Angelika Redlich ist seit einem Vierteljahr im Plauener Helios Vogtland-Klinikum als Honorarärztin in der Anästhesie tätig.
Foto: Ellen Liebner
Ärztemangel: Vogtland-Klinikum setzt in der Not auf Springer
Fachärzte tingeln durch ganz Deutschland, um in Kliniken Löcher zu stopfen - Helios will demnächst ohne zurechtkommen
Plauen. Plauen. Mit Springern gegen Ärztemangel kämpfen - im Helios Vogtland-Klinikum soll diese Durststrecke dieses Jahr vorerst beendet werden. "Wir sind zuversichtlich, dass wir Ende des Quartals keine Honorarärzte mehr brauchen", sagt Geschäftsführer Marcus Sommer. Das Krankenhaus habe sich wieder eine feste Stamm-Mannschaft geformt.
In den vergangenen Monaten waren mehrere Stellen mit so genannten Springern besetzt. Derzeit arbeiten noch zwei in der Anästhesie. Für diese freien Stellen für Narkoseärzte gebe es aussichtsreiche Bewerber. Die Springer sind ausgebildete Fachärzte, die freischaffend auf Honorarbasis arbeiten. Über spezielle Agenturen werden sie an Krankenhäuser vermittelt und sollen dort kurzfristig Löcher stopfen. In der Regel bleiben sie vier bis acht Wochen, so Sommer. Springer seien Wandersleute. Darunter seien ehemalige Chefärzte, die am Ende ihrer Karriere stehen und kürzertreten wollen. Manche würden durch die Kliniken ziehen auf der Suche nach einem Ort, an dem sie sesshaft werden wollen. Andere sammeln Erfahrungen und wollen die Welt sehen. "Es sind keine Absolventen, sondern immer Fachärzte", betont Sommer.
Vakant ist indes immer noch der Chefarzt-Posten in der Frauenklinik. Seit zweieinhalb Jahren wird die Klinik kommissarisch von Gynäkologin Ursula Flechsig geleitet, einer langjährigen Oberärztin des Hauses. Bisherige Anläufe, die Stelle zu besetzen, sind gescheitert. So habe ein Kandidat, gekniffen, als er den Vertrag schon auf dem Tisch hatte. Er habe seine Frau erst zu dem Zeitpunkt in sein Vorhaben eingeweiht, nach Plauen zu gehen - und die habe sich erfolgreich geweigert. Für dieses Jahr zeigt sich Sommer "mehr als optimistisch". Die Frauenklinik will sich demnächst als "Babyfreundliches Krankenhaus" zertifizieren lassen.
Helios setzt im Kampf gegen Ärztemangel auch auf Medizinstudenten: Wer sein Praktikum im letzten Jahr in Plauen macht, bekommt Geld dafür. 2010 arbeiteten 40 Studenten der Universität Leipzig bei Helios. "Im Ranking der Studenten sind wir immer die Besten unter den Lehrkrankenhäusern", sagt Marcus Sommer.


