Die vogtländische Stickereibranche arbeitet an einem neuen Image. Die in die Jahre gekommene Installation auf dem Dach eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes an der Dürerstraße steht aus Sicht der Branche diesen Bemühungen entgegen.
Foto: Ellen Liebner
Alte Spitzen-Werbung soll vom Dach
Vertreter der Branche sehen Imageverlust durch Anlage auf Gebäude an der Dürerstraße - Haus rückt zum Tag des offenen Denkmals in den Blick
Plauen. Plauen. Ein Werbeschriftzug der Plauener Spitze aus DDR-Zeiten auf dem Dach eines Gebäude an der Ecke Dürerstraße/Trockentalstraße in Plauen soll verschwinden. Das fordert SPD-Stadtrat und Stickereiwaren-Einzelhändler Bernd Stubenrauch. Er steht damit innerhalb der Branche nicht allein. Der Slogan auf dem leer stehenden Verwaltungsgebäude war in der vergangenen Woche auch Gesprächsthema am Rande der Fachtagung der Stickereibranche "Highstick". Viele sehen in dem schlechten Erscheinungsbild Anti-Werbung für die Unternehmen, die gerade an einem zukunftsfähigen Image feilen.
"Es handelt sich um eine viel befahrene Straße. Vor allem Gäste fällt der Schriftzug sofort ins Auge", begründete Stubenrauch seinen Vorstoß und machte im Rathaus Druck. Bürgermeister Manfred Eberwein (SPD) sieht jedoch wenig Chancen. "Die Werbeanlage befindet sich in einem Gewerbegebiet und ist dort bauordnungsrechtlich zulässig. Von dieser Anlage geht keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung aus", erklärte er.
Das Gebäude selbst befindet sich in Privateigentum, der Stadt sind damit die Hände gebunden. Der Eigentümer sei allerdings selbst daran interessiert, die Werbung zu entfernen und habe sich dafür schon Kostenangebote eingeholt, so Eberwein. 1000 Euro wären für einen Abbau fällig - was dessen Grenzen übersteige. Ergo: Die Werbung bleibt.
Auch Ingrid Eichert von der Schaustickerei hat damit ihre Probleme. Das Areal am Media-Markt sei stark frequentiert, sagt sie. "Wenn junge Leute das sehen, wie sollen sie dann Plauener Spitze mögen?" Eichert könnte sich vorstellen, dass einige Betriebe Geld zusammenlegen, um den Abgang der Werbung zu beschleunigen.
"Das ist kein schöner Anblick", meint auch Kathrin Floß, Geschäftsführerin des Innovationszentrums für Spitze und Stickerei. Abnehmen will sie die Werbung ebenfalls - auch allerdings darüber reden, was damit passiert. Achtlos verschrotten will sie das Stück Historie nicht. Erst kürzlich konnte sie erleben, wie Altes und Modernes zusammen harmonieren. Die Modenschauen zur Berlin Fashion-Week, bei der Plauener Spitze auf dem Laufsteg präsentiert wurde, fand in einem ehemaligen Umspannwerk statt. Floß: "Das hatte Flair. Für solche Veranstaltungen braucht es etwas Besonderes."
Dass auch in Plauen ein Bewusstsein für die einstigen Betriebsstätten der Spitzenindustrie besteht, wird nächste Woche Sonntag zum Tag des offenen Denkmals unter Beweis gestellt. Zum dritten Mal organisiert der Verein für vogtländische Textilgeschichte einen Rundgang. Eine der drei angesteuerten Stationen ist just jener Gebäudekomplex, auf dessen Dach der Schriftzug prangt. Treff ist um 10 Uhr auf dem Parkplatz des Media-Marktes.


