Immer mehr vogtländische Familien benötigen Hilfe
Alltagsprobleme und Konflikte nehmen zu - Unterstützung durch Sozialpädagogische Familienhilfe - 50 Kinder verbringen Tag im Pfaffengut
Plauen. Plauen. Immer mehr Familien im Vogtland brauchen Hilfe im Alltag, bei der Bewältigung von Konflikten und der Erziehung ihrer Kinder. Die Zahl der in Anspruch genommenen Sozialpädagogischen Familienhilfen habe in den vergangenen zehn Jahren in der Region zugenommen. Und die Zahl steige weiter. Darüber haben am Samstag Steffi Dölz vom Verein Brücke Plauen und Cornelia Heidrich von der Kinderarche Reichenbach im Naturschutzzentrum Pfaffengut informiert. Knapp 50 Sprösslinge aus hilfebedürftigen Familien der Region verbrachten dort einen erlebnisreichen Tag.
Laut Sozialatlas waren vor zehn Jahren 143 solcher Hilfen im Vogtland zu verzeichnen, im Jahr 2007 waren es bereits 191. Die beiden Vereine Brücke und Kinderarche gehören zu den Trägern dieses Angebots, das auch in Auerbach und Adorf zur Verfügung steht. "Familien sind oft überfordert", begründete Heidrich den steigenden Bedarf. Die Sozialpädagogin leitet die Einrichtung in der Neuberinstadt. Es mangele unter anderem an "Erziehungskompetenz". Dass Eltern derlei Schwierigkeiten im Umgang mit ihren Schützlingen haben, liege auch daran, "dass es sich oft schon um die zweite Generation von Jugendhilfefamilien handelt". Wer als Kind selbst nicht genügend Beachtung gefunden habe, dem falle es im Erwachsenenalter schwer, "die eigenen Bedürfnisse zurückzustecken zugunsten der Kinder", erklärte die Expertin.
"Was hätten Sie sich selbst gewünscht in diesem Alter?", formulierte Heidrich eine der Fragen an die Mütter und Väter, mit denen die Helferinnen eine Änderung des Verhaltens erreicht werden wollen. Aber das sei schwer. Denn die Eltern seien oft Hartz-IV-Empfänger. Als solcher strotze man nicht gerade vor Selbstbewusstsein. Und so erlebe der Nachwuchs die Erziehungsberechtigten als Bittsteller. Man versuche dann, den Menschen wieder "mehr Ehrgeiz zu geben".
Helfen können die Vereine Brücke Plauen, der das Treffen am Samstag im Pfaffengut organisiert hat, und die anderen Träger aber nur, wenn Hilfe angefordert wird. "Die Eltern müssen einen Antrag stellen", nannte Steffi Dölz von Brücke Plauen die Voraussetzung. Genau da liege schon eines der größten Probleme, ergänzte Cornelia Heidrich: "Viele Familien nehmen diese Unterstützung nicht an". Und zwingen könne man niemanden.
"Multiproblemlagen nehmen derzeit zu", berichtete Dölz. Das heißt, mehrere Mitglieder einer Familie haben immer mehr Probleme zugleich, die dann in geballter Form in Erscheinung treten. Das seien meist Arbeitslosigkeit, Schwierigkeiten in der Schule, Schulden, Sucht.
Am Samstag konnten sich die Sechs- bis 15-Jährigen im Töpfern, Schnitzen, Hüpfen im Heu, Bogenschießen, Basteln, Ziegenausführen, Brotteig kneten und Stockbrot backen probieren.


