Der Turm der Pöhler Wasserwacht am Gunzenberg: Das Naturfreibad ist von dort aus nicht einsehbar. Nach dem tödlichen Badeunfall vom Wochenende fordert jetzt der Kinderschutzbund mehr Sicherheit im Naturfreibad.
Foto: Helmut Schneider
Kinderschützer schlagen Alarm
Nach dem Tod eines achtjährigen Jungen fordert die Organisation Rettungsschwimmer für das Naturfreibad in Pöhl
Plauen/Pöhl. Plauen/Pöhl. Eine halbe Woche nach dem tödlichen Badeunfall in der Talsperre Pöhl kommt ein scharfer Wind in die Diskussion um die Sicherheit im Bereich des Naturfreibades. Andreas Färber vom Ortsverein Plauen des Deutsche Kinderschutzbundes fordert endlich eine zusätzliche Rettungsstation für die Talsperre.
Am Sonnabendnachmittag war im Naturfreibad nur acht Meter vom Ufer entfernt ein achtjähriger Junge ums Leben gekommen. Er war mit seinen Eltern und seinem Bruder im Bad. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist noch völlig unklar. Die Polizei sucht weiterhin Zeugen, die Angaben zum Hergang machen können. Doch vermutlich hat niemand beobachtet, wie das Kind zu Tode kam. "Bis jetzt haben sich keine Zeugen gemeldet", so Polizeisprecher Jan Meinel.
Fakt ist aber: Unabhängig von der konkreten Todesursache - die Leiche des Kindes soll am Mittwoch in Chemnitz obduziert werden - kam für den Jungen jeglicher Rettungsversuch zu spät. Der Kinderschutzbund schlägt deshalb Alarm, kritisiert die konkreten Gegebenheiten vor Ort. Vorsitzender Färber sagt: "Offenbar sind die Sicherheitsvorkehrungen an der Talsperre Pöhl nicht ausreichend. Mit einem Rettungsdienst vor Ort hätte vielleicht schneller geholfen werden können."
Denn die Unfallstelle ist von der Rettungsstation nicht einzusehen, durch Bäume verdeckt. Andreas Färber fordert jetzt ausschließlich für den Bereich des Naturfreibades, in dem das Kind ertrank, ein oder zwei Rettungsschwimmer, die dort ständig vor Ort sind. Aber er ist auch der Auffassung, dass die Eltern dann nicht von ihrer Aufsichtspflicht befreit werden können. Der Zweckverband Pöhl prüft im Moment etwaige Maßnahmen. Auch der Rettungsverband Vogtland steht nach Worten seines Geschäftsführer Jens Leistner einer zusätzlichen Rettungsstation im Naturfreibad aufgeschlossen gegenüber.
In den letzten beiden Jahren sind im Freistaat Sachsen sechs Kinder und Jugendliche bei Badeunfällen ums Leben gekommen. Das sind alarmierende Zahlen. Andreas Färber vom Kinderschutzbund sieht noch einen anderen Grund dafür. "Es wird zwar in der 3. Klasse an den Schulen Schwimmunterricht durchgeführt. Trotzdem sind mehr Schüler in diesem Punkt immer schlechter ausgebildet. Vielleicht sollte man noch früher mit dem Schwimmunterricht beginnen."
Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft warnte in diesem Zusammenhang vor weiteren Bäderschließungen und Kürzungen beim Schwimmunterricht. Nur 20 Prozent der Grundschulen hätten Zugang zu Schwimmbädern.


