Hammerstraße Die Hammerstraße teilt das Viertel in zwei Gebiete: links viele neue Gewerbe, rechts unter anderem das älteste Gewerbe der Welt.

Foto: Ellen Liebner

Plauener Wirtschaft entdeckt Hammerstraße für sich

Rotlicht-Viertel bekommt seriöse Nachbarn

Plauen. Aus zwei Gründen hat sich die Hammerstraße ihren Ruf unter Plauenern erarbeitet. Erstens, weil dort häufig das Blitzer-Auto steht. Der Zweite sind die Lichterketten in den Fenstern. Die Straße gilt als das Rotlicht-Viertel des Vogtlands. Es ist von Vorteil, dort auf den ruhenden Verkehr zu achten: Wird geblitzt? Parkt an der Schmuddel-Straße ein Fahrzeug, dessen Besitzer man kennt?

"Mich hat jemand gefragt, ob ich eigentlich wüsste, in welcher Gegend wir uns hier ansiedeln", sagt Dekra-Niederlassungsleiter Roland Gaedtke. Er wusste es nicht, weil er nicht aus der Gegend stammt.

Das Dekra-Prüfzentrum, das Ende April in Betrieb ging, ist der jüngste Neubau an der Hammerstraße. Und der Chef macht kein Geheimnis daraus, dass er von dem Standort überzeugt ist. Die Straße ist auf dem besten Weg zu neuem Ruhm. Auf der rechten Seite, stadtauswärts gesehen, folgt ein Neubau dem nächsten: Dekra, Envia, Wärmeversorgung Plauen.

Die modernen Gebäude wirken wie Leuchttürme, die eine der Hauptzufahrtsstraßen ins Stadtzentrum säumen. "Das Image hat sich deutlich verbessert", sagt der Plauener Wirtschaftsförderer Eckhard Sorger. Mit der Dekra-Niederlassung sei die Hemmschwelle für Unternehmer endgültig weg, sich an der Hammerstraße anzusiedeln.

Das Fahrradgeschäft Bikehouse machte den Anfang. "Das war die Initialzündung", sagt Sorger. Vor fünf Jahren zog der Laden vom Albertplatz auf die Rote Meile. Geschäftsführer Matthias Schreiber kaufte damals ein Gebäude der Plauener Gardine. Mehr als zehn Jahre hatte es leergestanden, und so sah es auch aus. Schreiber sanierte statt abzureißen, er brauchte mehr Platz für sein Geschäft.

Den Standort wählte er damals nicht nach seinem Ruf, sondern nach nüchternen Kriterien: "Eine Bundesstraße mit viel Verkehr Richtung Innenstadt, Parkplätze." Auch er habe damals fragende Blicke zugeworfen bekommen, als er die neue Adresse bekannt gab.

Die Stadt kann dadurch nur gewinnen, sagt der Wirtschaftsförderer: "Es ist eine wichtige Aufgabe, das Gewerbe in Richtung Stadt zu ziehen statt auf die grüne Wiese." Zu tun gibt es dennoch viel an der Straße. Zwischen den modernen Bauten verfallen Häuser vor sich hin. Eckhard Sorger bezeichnet die Immobilien, die Privateigentümern gehören, als Sorgenkinder. Potenzielle Investoren sollen sich davon aber nicht ausbremsen lassen. Wer an einem Grundstück interessiert ist, auf dem eine Ruine steht, kann sich an ihn wenden. "Wir helfen dabei, den Eigentümer zu finden und Projekte umzusetzen", sagt er.

Bei der Dekra lief es ähnlich. Nur dass die Ruine darauf bereits in den 1990er-Jahren abgerissen wurde. Auf dem Grundstück hatte das erste Plauener Heizkraftwerk gestanden, gebaut 1897.

Die Nachbarn auf der modernen Seite der Hammerstraße wollen zusammen am Image arbeiten. Anfang Mai gab es ein Straßenfest, initiiert vom Fahrradgeschäft. Fortsetzung folgt, heißt es. Demnächst will Fahrradhändler Schreiber einen Schlauch-Automaten aufstellen - auf dem Grundstück seiner neuen Nachbarin, der Dekra, weil ihm selbst der Platz fehlt. Deren Chef freut sich über die Nähe zu den Bikehouse-Kunden: Wer Rad fährt, fährt in der Regel auch Auto. Und wer Auto fährt, braucht in der Regel auch Strom, den es bei den benachbarten Stadtwerken gibt.

Auf der anderen Straßenseite floriert das Geschäft indes nach wie vor, heißt es aus dem Ordnungsamt. An der Tatsache, dass dort das Rotlichtmilieu angesiedelt ist, werde sich nicht viel ändern - auch die Branche hat den Standort zu schätzen gelernt. Die Hammerstraße hat jetzt zwei Gesichter.

 
erschienen am 18.06.2012 ( Von Manuela Müller )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
(Anmeldung erforderlich)
  • 22.06.2012
    12:23 Uhr

    gsx600: Früher wohnten da auch ein ganze Menge Leute. Fleischer (Rohn), Bäckerei (Poweleit), HO-"Flott" und der "Imperator" (Impo). Heute sind das meiste Ruinen, schade.

    0 1
     
  • 20.06.2012
    00:55 Uhr

    Ickerbocker: Gewerbe schön und gut, es kommt Leben (am Tage^^) in die Straße aber Blickfang? Das Dekra Gebäude ist ja nun nur eine Halle, eine größere Garage die den Blockrand aufbricht. Schön ist anders aber ich will micht nicht echauffieren. Geschossneubauten in Baulücken sind angesichts des Einwohnerrückgangs weitestgehend Utopie.

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