Das Stadtbad wird durch einen Energiemix mit Wärme versorgt. Die Geothermie-Anlage funktioniert jedoch nicht.
Foto: Ellen Liebner/Archiv
Pleiten, Pech und Pannenbei Erdwärme für das Stadtbad
Modern und ökologisch sollte die Schwimmhalle mit Energie versorgt werden
Plauen. Es ist eigentlich keine schlechte Bilanz, die die Techniker nach vier Jahren Stadtbad-Betrieb ziehen. Der Energieverbrauch der Schwimmhalle liegt um ein Viertel niedriger als geplant. Die Eröffnung der Sauna hat die Anlage nicht an ihre Grenze gebracht. Das Zusammenspiel von fünf verschiedenen Energiequellen, unter anderem Blockheizkraftwerk und Erdgasheizung, funktioniert nahezu reibungslos. Dennoch bleibt das einstiege Vorzeigeprojekt eine Baustelle. Die Geothermie-Anlage, die ursprünglich den Hauptteil der Wärme für den Badbetrieb gewinnen sollte, funktioniert nicht. Eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen hält die Fachleute in Atem, wie Axel Markert von der Gebäude- und Anlagenverwaltung (GAV) im städtischen Bauausschuss berichtete.
Die 250.000 Euro teure Erdwärmetechnik schwächelte von Anfang an. Die Anlage brachte nur zwei Drittel ihrer konzipierten Leistung. Die Steuerungstechnik zog die mit Gas und Blockheizkraftwerk erzeugte Wärme vor. Schon 2008 wurde die Geothermie deshalb zwischenzeitlich außer Betrieb genommen. Doch auch ein neuer Anlauf führte nicht zum Erfolg. Der Hersteller musste ein Sanierungskonzept vorlegen, baute einen Verdichter um und tauschte das Kältemittel aus. Ende vergangenen Jahres wurde umgebaut. Der anschließende Testlauf wurde im Februar jedoch abgebrochen. Der Motor war verschlissen. "Der anfänglich verwendete Biodiesel war zu aggressiv", erklärte Markert. Schon 2009 wurde auf Heizöl umgestellt. Vor allem, weil das deutlich günstiger ist.
Jetzt die erneute Reparatur, erneute Umbauarbeiten, erneuter Probebetrieb. Bislang sind der Stadt noch keine zusätzlichen Kosten entstanden, der Hersteller zahlt, versicherte Markert. Er nahm die Firma zudem in Schutz. "Diese Anlage ist einmalig in Deutschland, keine von der Stange, ein Modellprojekt eben.
Doch bei der Freizeitanlagen GmbH, Betreiber des Bades, wächst die Ungeduld. Aufsichtsratsmitglied Hartmut Seidel (SPD) sprach Klartext. "So geht das nicht ewig. Wenn es nicht funktioniert, dann müssen wir ehrlich sein und es sein lassen. Geothermie hin oder her, dann ist es eben nichts."
Aber nicht nur die Dauer-Probleme könnten der Erdwärme im Bad die Zukunft schwer machen. Wenn die Anlage wieder läuft, strebt die GAV einen Wirtschaftlichkeitsvergleich an. "Was ist günstiger: Erdgas oder Geothermie? Das wollen wir wissen", sagte Axel Markert. Mögliche Konsequenzen ließ er offen.
Um die Nutzung der Erdwärme möglich zu machen, wurden beim Badbau vor fünf Jahren vier Röhren rund 100 Meter tief in die Erde gebohrt. Auch die Festhalle und die Karl-Marx-Grundschule nutzen Geothermie. Die dort installierte Technik läuft jedoch ohne Probleme.


