Polizei kommen die Täter abhanden

Kriminalitätsstatistik: Rückgang der Fälle im Vogtland um 11,3 Prozent - Polizeipräsident: Demografie als Ursache

Plauen. Plauen. Die Zahl der im Vogtland erfassten Straftaten ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Die Polizeidirektion Südwestsachsen weist einen Rückgang um 2350 auf 18.406 Fälle aus. Das entspricht einem Minus von 11,3 Prozent. Das Vogtland inklusive der Stadt Plauen schneidet damit besser ab als der Direktionsbereich insgesamt. 7,2 Prozent weniger Straftaten mussten aufgenommen werden.

Sind die Menschen im Vogtland jetzt besser geworden, oder hat die Polizei das Land besser unter Kontrolle? Weder, noch, so Polizeipräsident Dieter Kroll. Er wartete vor wenigen Tagen bei einem Besuch in Reichenbach mit einer ehrlichen Antwort auf. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2001 habe sich die Zahl der Straftaten in Südwestsachsen um ein Viertel verringert. "Ich könnte sagen, das liegt an mir. Die Wahrheit ist aber: Der Polizei kommen die Täter abhanden." Kroll verwies auf die demografische Situation. Bei schrumpfenden Bevölkerungszahlen gibt es auch weniger Kriminelle. Die Polizei geht diesen Trend mit und baut deshalb seit Jahren stetig Personal ab. Zufall oder Folge? Im gleichen Zeitraum bröckelten auch die Aufklärungsquoten kontinuierlich ab. Sowohl im ländlichen Raum des Vogtlandes als auch Plauen werden seit 2005 jedes Jahr weniger Täter ermittelt. Mit einer Aufklärungsquote von 59,3 Prozent rangiert Südwestsachsen jedoch immer noch über dem Landesdurchschnitt (56,9 Prozent).

Fast alle Deliktgruppen verzeichnen zum Teil zweistellige prozentuale Rückgänge. Allerdings gibt auch gegenläufige Trends. So ist die Zahl der Raubstraftaten mit einem Plus von 36 auf 189 Fälle in die Höhe gegangen. "Das Plus speist sich vor allem aus Fällen in Zwickau und Plauen", erklärt Polizeisprecher Jan Meinel. Er weiß: Es sind vor allem diese Aufsehen erregenden brutalen Taten, die das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung beeinflussen. Erst vor wenigen Tagen wurde beispielsweise am oberen Bahnhof in Plauen eine ältere Frau Opfer eines Raubüberfalls.

Das größte Plus weist die Statistik in der Deliktgruppe "Misshandlung Schutzbefohlener aus". Mit 73 Fällen hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Die Steigerung ist fast ausschließlich auf den Fall Kita "Sonnenkäfer" in Mechelgrün zurückzuführen.

 
erschienen am 16.03.2010 ( Von Tino Beyer und Bernd Appel )
 
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