Protest: Bürgerinitiative legt Autobahnverkehr lahm
Plauener Siedler kündigen für den 21. August Aktion gegen Lärm an - Mit Tempo 30 geht es von Plauen-Süd bis Plauen-Ost - Trasse gesperrt
Plauen. Plauen. Wenn die von Autobahnlärm geplagten Plauener Siedler am 21. August ihre Protestaktion auf der A 72 starten, wird der gesamte Fahrzeugverkehr ins Stocken geraten. Die Trasse werde während der Protestfahrt gesperrt, sodass es zu keinen Auffahrunfällen oder anderen Störungen kommen kann, erklärte Ursula Hiebl, die stellvertretende Chefin der Bürgerinitiative (BI) Lärmschutz an der A 72, auf Nachfrage.
Wie am Donnerstagabend bei einer Bürgerversammlung der BI bekannt wurde, soll am 21. August zwischen den Anschlussstellen Plauen-Süd und Plauen-Ost mit einem langsam fahrenden Autokonvoi protestiert werden. Die BI will damit ihren Forderungen nach Auftragen von Flüsterasphalt Nachdruck verleihen. Das Ordnungsamt des Vogtlandkreises beabsichtigt, die Aktion zu genehmigen, erklärte gestern Kreissprecherin Kerstin Büttner. Es werde noch am Sicherheitskonzept gearbeitet, hieß es. Die BI hatte am Donnerstag erklärt, dass die Tour bereits genehmigt sei.
Start soll 11 Uhr in Oelsnitz sein. "Wir fahren dann auf die Autobahn und auf dieser bis zur Anschlussstelle Plauen-Ost", informierte Hiebl. Man rechne mit zirka 60 Fahrzeugen. Die sollen nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde fahren. An den Fahrzeugen werde man die Losung "Schluss mit Lärm" anbringen, um das Anliegen der Bürger deutlich zu machen. Mit einem erstaunten Raunen reagierten die Teilnehmer der Bürgerversammlung im Festzelt auf diese Ankündigung.
"Mit uns ist kein Spaß mehr zu machen", hatte BI-Chef Werner Löffler zuvor schon seiner Verärgerung darüber Ausdruck gegeben, dass derzeit keine Baumaßnahmen vorgesehen seien, um den Krach an der stark befahrenen Route zu verringern. Das Einrichten einer Teststrecke mit lärmminderndem Gussasphalt sei erst im Jahr 2013 geplant, und das auch nur, wenn im Haushalt des Freistaates ausreichend Mittel zur Verfügung stünden. Genau das ist den Bürgern von Sorga, Kleinfriesen, Großfriesen, Tauschwitz und Stöckigt zu wenig. Es müsse schnell etwas geschehen, hieß es. Man warte schon lange genug.
"Ich wohne seit dem Jahr 1990 hier und die Situation ist schlimmer geworden mit dem Lärm", pflichtete ein Bewohner der Siedlung den Protagonisten der BI bei. Er frage sich, wozu die Einnahmen aus der Lkw-Maut verwendet würden. Es sei doch Geld vorhanden beim Staat. Gerhard Bauer vom Siedlerverein Sorga wehrte sich gegen Vorwürfe, man habe ja gewusst, dass man sein Haus an der Autobahn baut und dürfe sich daher nicht über den Lärm aufregen. "Die Siedlung ist in den 1930er Jahren entstanden, als es noch keine Autobahn gab", entgegnete er einem Kritiker der BI, der sich in den Medien zu Wort gemeldet hatte. Außerdem sei das Verkehrsaufkommen zu DDR-Zeiten nicht vergleichbar mit dem heutigen.
Die zur Versammlung eingeladenen Vertreter des Autobahnamtes Sachsen und des zuständigen Wirtschaftsministeriums in Dresden hatten ihre Teilnahme abgesagt. Es hätten bereits zahlreiche Treffen stattgefunden. Alle Argumente seien ausgetauscht und neue Erkenntnisse gebe es nicht, heißt es in einem Schreiben der Behörden, das am Donnerstagabend verlesen wurde. Lediglich die Stadt Plauen mit ihrer Fachbereichsleiterin Umwelt und Bauordnung, Ilona Gogsch, war bei der Versammlung vertreten.


