Stadt-Sekretärin trägt Pulli aus rechter Szene
Mitarbeiterin der Plauener Stadtverwaltung zur Rede gestellt - sie erschien im Thor-Steinar-Shirt
Plauen. Im Bundestag hat ein Mitarbeiter der Poststelle für Ärger gesorgt - er trug im Dienst Thor-Steinar-Kleidung. Die bei Rechtsextremen beliebte Modemarke ist verboten im Bundestag. Sie verletze die Würde des Hauses. Jetzt hat der Schriftzug Thor Steinar auf der Brust einer Mitarbeiterin der Plauener Stadtverwaltung gestanden - dezent, aber gut lesbar.
Aufgefallen ist das zufällig bei einem Pressetermin. Die Vorzimmerdame, die die Gäste ihres Chefs begrüßt, saß im schwarzen Symbol-Shirt am Schreibtisch. Damit konfrontiert, zeigte sich ihr Vorgesetzter überrascht: "Ich schaue nicht, welche Blusen meine Sekretärinnen anhaben." Das Tragen der Kleidung ist nicht strafbar. Dem Verfassungsschutz ist das Modelabel allerdings gut bekannt. "Thor Steinar richtet sich sehr stark an die rechtsextreme Szene", sagt Alrik Bauer, Sprecher des sächsischen Verfassungsschutzes, auf Anfrage von "Freie Presse".
Vorgesetzter bedauert Vorfall
Erst im Spätsommer hatte es im Rathaus dazu eine Schulung gegeben. Ordnungsamtschef Wolfgang Helbig hatte Mitarbeiter der Polizei eingeladen, die vor Führungskräften über verdeckte Symbole der Neonazi-Szene berichteten. Ein Thema: Thor Steinar. "Ich war aus eigenem Interesse dort gewesen", erklärt der betroffene Vorgesetzte. Die Probleme um das Modelabel seien ihm bekannt. Er bedauere den Vorfall. Der liegt inzwischen in der Rechtsabteilung des Rathauses. In der Behörde gibt es keine Kleiderordnung und keine schriftlichen Verbote, Marken bestimmter Gesinnungen zu tragen, was den Umgang erschwert.
Die betroffene Mitarbeiterin wurde zur Rede gestellt. "Die Kollegin war wohl in Unkenntnis über den Zusammenhang des Labels mit der rechten Szene", erklärt Rathaus-Sprecherin Silvia Weck. Anhand des Falls wurde jetzt eine Handlungsstrategie erarbeitet: Zuerst weist der Vorgesetzte darauf hin, dass Kleidung erwartet wird, die beim Bürger Vertrauen in die Behörde aufbaut. Wenn das klärende Gespräch nicht fruchtet, würden rechtliche Schritte erwogen. Wie die aussehen, wird derzeit noch geprüft. Silvia Weck hofft, der Fall im Vorzimmer bleibt ein Einzelfall.
Räumungsklage gegen Geschäft
Vertrieben wird die Marke vor allem in Szenegeschäften, die mitunter unauffällig sind. Auf diese Weise hat sich Thor Steinar auch in Plauen etabliert. Vor zwei Jahren eröffnete im Obergeschoss der Kolonnaden der Laden "Oseberg", der die Marke verkauft. Gegen das Geschäft gab es heftige Proteste. Nach wie vor versucht der in Luxemburg ansässige Kolonnaden-Betreiber, den Laden loszuwerden. Die Räumungsklage läuft, heißt es aus dem Center-Management. Bisher ohne Ergebnis.
Mit der Nobelmarke aus der rechten Ecke haben sich bereits einige öffentliche Einrichtungen auseinandergesetzt. "Es gibt Schulen, die das Tragen in ihrer Hausordnung verboten haben", erklärt Bauer, der Sprecher des Verfassungsschutzes. Eines der jüngsten Beispiele ist die Universität Greifswald. Nachdem vergangenes Jahr ein Jura-Professor Thor Steinar getragen hatte, wurde die Hausordnung geändert. Auch in einigen Fußballstadien ist die Marke verboten, unter anderem bei Hertha BSC, Borussia Dortmund und im Rostocker Ostseestadion. Der Deutsche Bundestag fährt im Umgang damit eine klare Linie.
Trotz aller Verbote etabliert sich Thor Steinar, befürchtet René Weber von Move, der Beratungsstelle gegen rechte Gewalt: "Thor Steinar ist hier normal geworden. Einige tragen das wirklich aus Unwissenheit."


