Deutschrocker Heinz Rudolf Kunze Deutschrocker Heinz Rudolf Kunze war am Sonntagabend mit seinem neuen Programm "Räuberzivil" ins Plauener Vogtland-Theater gekommen.

Foto: Ellen Liebner

Verbale Kapriolen zum Zuhören

Musiker Heinz Rudolf Kunze gastiert im Plauener Vogtland-Theater vor rund 200 Zuschauern

Plauen. Bissiger Sarkasmus, Satire und eine Sprache, die nicht direkter sein könnte. So kennen die Fans Heinz Rudolf Kunze. Am Sonntagabend trat Mister Deutschrock mit seinem neuen musikalischen Konjunktur-Programm "Räuberzivil" im Plauener Theater auf.

Wie in einem Titel des neuen Doppelalbums "Räuberzivil" besungen, geht Kunze seine eigenen Wege. Diesmal tourt der Meister unplugged durch die Republik. Offenbar hatte sich das nicht überall herumgesprochen. Viel Werbung für das Konzert war im Vorfeld in Plauen jedenfalls nicht zu sehen. Nur knapp mehr als 200 Kunze-Fans füllten gerade mal das Parkett des Theaters.

Trotz leerer Ränge kam Stimmung auf. Das lag vor allem an den handwerklichen Fähigkeiten des Trios. Mit Wolfgang Stute (Gitarre, Cajon) und Hajo Hoffmann (Geige, Mandoline) holte sich Kunze zwei blitzsauber spielende Musiker an seine Seite. Unbestritten, das Plauener Publikum erlebte ein anspruchsvolles Konzert. Auch ohne seine charismatische Brille - wo war die eigentlich? - blieb der 52-Jährige keinesfalls blass. Mal an der Gitarre, dann wieder am Piano trieb es ihn den Schweiß auf die Stirn.

"Auf dieses Album bin ich besonders stolz", gab der prominente Gast unumwunden zu. Ohne Single-Auskopplung und aufwändiger Werbung startete die Doppel-CD immerhin auf Platz 87 der Charts. Neue und alte Texte verquickte der Meister zu einer stimmigen Gesamtkomposition. Während "Finden sie Mabel" einen hohen Wiedererkennungswert hatte, kam der "Regen in Berlin" oder "Alaska Avenue" taufrisch rüber. Zwischendurch schalteten die Musiker sogar auf Blues um.

Kunze wagte während des Konzertes den Spagat zwischen Hit-Repertoire und künstlerischer Freiheit. Die Sprechtexte waren nicht nur bloße Anmoderationen zu den Titeln. Der in Osnabrück aufgewachsene Freigeist machte sich seine satirischen Gedanken über Alkoholpausen, Shopping-Erlebnisse oder deutsche Soldaten am Hindukusch. Seine Wortgewalt kam bisweilen überfallartig. Die verbalen Kapriolen forderten von den Zuhörern ein hohes Maß an Assoziations-Vermögen. Für Kunze-Kenner scheinbar kein Problem. Lacher und Szenenapplaus sprachen dafür. "Abschied muss man üben" heißt ein neuer Titel der brandaktuellen Scheibe. Das Publikum nahm es wörtlich und forderte gleich mehrere Zugaben.

 
erschienen am 02.11.2009 ( Von Thomas Voigt )
 
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