Im Anschluss an die Kundgebung kam eine Abordnung der Demonstranten mit der Unternehmensleitung zu einem Gespräch zusammen, darunter auch Stefan Kademann von der IG-Metall (2. von links). Nicht jeder durfte hinein, die Kontrollen waren streng.
Foto: Jean Pierre Reijnen
Vogtländer demonstrieren in Holland
Plauener Philips-Belegschaft kämpft in Eindhoven um 150 Arbeitsplätze - Verlagerung nach Polen geplant
Plauen/Eindhoven. Plauen/Eindhoven. Mehr als 300 der rund 440 Beschäftigten des Plauener Glühlampenproduzenten Philips haben gestern Vormittag im niederländischen Eindhoven für den uneingeschränkten Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. 150 Stellen sollen in Plauen wegfallen, weil das Unternehmen vorhat, die Produktion von H4-Fahrzeuglampen aus Kostengründen nach Polen zu verlagern.
Bereits Sonntagnacht hatten sich die Frauen und Männer in sieben Bussen auf die 600 Kilometer lange Reise gemacht. In Eindhoven befindet sich die Zentrale von Philips Lighting, der Lampensparte des Elektronikkonzerns, vor der die Kundgebung stattfand.
"Und die hat Wirkung hinterlassen", schätzte der Zwickauer IG-Metall-Funktionär Stefan Kademann bei der Rückfahrt ein. Das Firmengelände sei von Sicherheitsleuten hermetisch abgeriegelt worden. "Nervosität war spürbar, dass so viele Menschen aus dem Vogtland kamen." Aus deren Mitte erhielt eine sechsköpfige Abordnung die Gelegenheit, mit der Konzernleitung zu sprechen.
Nach zweieinhalb Stunden sei man mit der Verabredung auseinandergegangen, weiter über Alternativen zu verhandeln. Dazu wollen die Arbeitnehmervertreter bald Zahlen vorlegen, die bekräftigen sollen, "dass eine Produktionsverlagerung betriebswirtschaftlich Unsinn ist", sagte Kademann. Sollte der Konzern uneinsichtig bleiben, kündigte er eine "radikale Gegenwehr" an: "Wir müssen den Druck im Kessel erhöhen." Das Wort Streik wollte Kademann dabei noch nicht in den Mund nehmen.
"Zivilen Ungehorsam", wie er nannte, habe die Belegschaft gestern aber schon mal gezeigt. Denn während der Protestfahrt ruhte in Plauen die gesamte Produktion. Erst in der Nacht werden die Busse zurück erwartet. Spätestens heute Morgen soll die Arbeit wieder aufgenommen werden.
Bevor die Vogtländer am Konzernsitz eintrafen, zogen sie noch durch Eindhovens Innenstadt und verteilten Flugblätter, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. "Die Leute haben Sympathie für unsere Aktion gezeigt", so Kademann.
Derweil teilte Philips gestern mit, dass sich der Gewinn des Unternehmens im zweiten Quartal gegenüber 2009 versechsfacht habe. Demnach verdiente der Konzern in diesem Zeitraum eigenen Angaben zufolge netto 262 Millionen Euro, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es nur 45 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um knapp ein Fünftel auf 6,19 Milliarden Euro.
"Wenn vor dem Hintergrund in Plauen 150 Stellen wegfallen sollen, ist das eine riesen Schweinerei", sagte Kademann. "Das ist die pure Gier nach immer mehr Profit."Seite 7


