Messe Cocktails zur Bildungsmesse: Tim Korndörfer, Hotelfachlehrling im zweiten Ausbildungsjahr, gibt Melanie Taubennest, Denise Neumeister und Jessica Wagner (von links) Einblicke in die Herstellung von alkoholfreien Mixgetränken. Der junge Mann arbeitet im IFA Ferienpark in Schöneck.

Foto: Ellen Liebner

Vogtländische Firmen schrauben Anforderungen an Azubis zurück

Unternehmen locken jetzt mit kleinen Extras

Plauen. Die Großen machen's vor: Wer bei Lidl eine Ausbildung machen möchte, der darf auf Schnupperkurse in der Chefetage hoffen. Mit einem Tausend-Euro-Willkommenspaket lockt die Erfurter Industrie- und Handelskammer Azubis nach Thüringen. Selbst mit Mopeds und mit Netbooks wurde schon um junge Leute geworben - wenn es darum geht, Lehrlinge zu ködern, kommen Firmenchefs inzwischen auf die irrsten Ideen.

Im Vogtland sind derartige Lock-Angebote noch nicht üblich, doch der Trend geht in diese Richtung. "Schon mehrfach habe ich von Gutscheinen für Azubis gehört. Das Rennen um die Besten hat längst begonnen", sagt Silke Steinkampf von der Bundesagentur für Arbeit. Die Agentur hat am Donnerstag erstmals gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer in Plauen eine Ausbildungsmesse für junge Vogtländer auf die Beine gestellt.

105 verschiedene Firmen präsentierten sich dort - von A wie Agrofarm Eichigt bis Z wie Zweckverband Wasser Abwasser Vogtland. Die Personalleiter der Region stehen alle vor dem selben Problem: Sie finden kaum noch guten Job-Nachwuchs. Die neuesten Zahlen werden zwar erst nächste Woche veröffentlicht, doch schon jetzt steht fest: Es gibt im Vogtland mehr Lehrstellen als Bewerber - und damit lange Gesichter bei den Chefs.

Christel Höllig, zuständig für Personal in der Brauerei Wernesgrün, musste im Sommer einen Ausbildungsplatz unbesetzt lassen. Von den sechs Ausbildungsstellen der Textilgruppe Hof, die auch ein Werk in Reichenbach betreibt, blieben einige frei. Und selbst in der Friseur-Branche fehlt der Nachwuchs: 2010 hatte die Plauener Le-Figaro-Geschäftsführerin Helga Schwarzer keinen einzigen geeigneten Lehrling gefunden, dieses Jahr nur einen - drei hätte sie gern eingestellt.

Der Fachkräftemangel zwingt die Firmen zunehmend, die Anforderungen herunterzuschrauben. Was das bedeuten kann, erklärt Astrid Flach von Goldbeck Treuen: "Für die Ausbildung zum Bauzeichner und Industriekaufmann haben wir bis vor zwei Jahren nur Abiturienten eingestellt. Jetzt nehmen wir dafür auch Realschüler", sagt sie. Die Einser-Kandidaten von einst seien rar geworden. "Es müssen nicht mehr nur die Besten sein", pflichtet ihr Bodo Neubauer bei, Ausbildungsleiter bei Manroland - selbst Hauptschüler mit einem Neunte-Klasse-Abschluss hätten inzwischen gute Chancen, eine Lehrstelle zu finden.

Im Reichenbacher Ortsteil Heinsdorfergrund, wo das Werk der Eswegee Vliesstoff GmbH steht, dürfen sich Azubis inzwischen sogar auf kleine Extras freuen: Sie bekommen pro Monat einen Tankgutschein geschenkt. Von Computer- oder Handy-Präsenten hält Thomas Hagen, technischer Leiter, indes nicht viel - doch auch er sagt: "Wenn die Entwicklung so weitergeht, müssen wir uns etwas einfallen lassen."

 
erschienen am 03.11.2011 ( VOn Nancy Dietrich )
 
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