Stadtarchivarin Martina Röber hütet die vier Briefe von Johann Sebastian Bach an die Stadt Plauen wie einen Schatz. Geschrieben hat sie der große Komponist 1726, als einer seiner Schüler in Plauen Kantor werden sollte. Nächste Woche gehen sie erstmals außer Haus - ins neue Leipziger Bachmuseum.
Foto: Ellen Liebner
Wie Bachs Lieblingsschüler Kantor in Plauen wurde
Vier Briefe des Komponisten im Stadtarchiv - Präsentation im neuen Leipziger Museum
Plauen. Plauen. Sie werden im Tresorraum des Plauener Stadtarchivs gehütet wie ein Schatz: Vier Handschriften von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750). 1726 wurden die Briefe vom großen Komponisten verfasst - als einer seiner Schüler Kantor an der Johanniskirche werden sollte. Nächste Woche gibt Stadtarchivarin Martina Röber die wertvollen Schriftstücke zum ersten Mal außer Haus - nach 284 Jahren. Doch der Anlass ist es wert. Die Briefe werden in Leipzig präsentiert. Dort eröffnet am 20. März das neue Bach-Museum.
Für 5,7 Millionen Euro wurde gegenüber dem Bach-Denkmal an der Thomaskirche eine multimediale Bach-Erlebniswelt geschaffen - ein modernes Denkmal für den Barock-Musiker. Glanzlicht des Museums ist die Schatzkammer. Dort werden die Handschriften bis August gezeigt.
Die Geschichte um die Briefe kündet von Plauener Bürgerstolz. Plauens Kantor Viktor Irmisch war am 8. Juni 1726 verstorben, die Stelle sollte neu besetzt werden. Die Interessenten standen Schlange. Doch für Plauen war das Beste gerade gut genug. So beschloss der Stadtrat, bei einem berühmten "Musico" nach einem geeigneten Kandidaten anzufragen. Im September 1726 ging ein Brief an Bach, der drei Jahre zuvor zum Leipziger Thomaskantor aufgestiegen war.
Nach vier Briefen hin und her ging der Plauener Wunsch in Erfüllung. Bach lotste seinen Schüler nach Plauen: Georg Gottfried Wagner. "Es soll sich sogar um einen seiner Lieblingsschüler gehandelt haben", weiß Martina Röber. Am 28. Januar 1727 übernahm Wagner das Stadtkantorenamt, das er bis zu seinem Tod 1756 innehatte.
Die Handschriften von Bach sind nicht die einzigen Schriftstücke berühmter Persönlichkeiten, die im Stadtarchiv aufbewahrt werden. Über 100 sind es insgesamt. Von Schriftsteller Ernst Moritz Arndt über Industriepionier Werner von Siemens bis Graf Zeppelin, so Röber. Auch zwei Briefe von Robert Schumann schlummern im Tresorraum. Ein Plauener Archivar hat diese in den 1940er Jahren in einem Antiquariat erstanden. In Kürze werden sie in Zwickau ausgestellt.


