Lisa Salomon (links) und Marleen Förster Lisa Salomon (links) und Marleen Förster sitzen im Schatten des Bergahorns am Spielplatz Wasserturm. Der Baum soll nach dem Willen der Stadtverwaltung verschwinden, weil er eine Gefahr darstelle. Forstingenieur Reinhold Turczyk sieht das anders und hält die Entscheidung für "Baumfrevel".

Foto: Franko Martin

"Baumfrevel gehört verboten"

Nabu-Mitarbeiter kritisiert Reichenbach und Denkmalschutzbehörde - Bergahorn am Wasserturm kein Fällkandidat

Reichenbach. Reinhold Turczyk, Forstingenieur und Nabu-Mitglied aus Gospersgrün, wirft der Stadt Reichenbach "Baumfrevel" und "Fehler bei der Baumkontrolle durch angelernte und unqualifizierte Kräfte" vor. Turczyk, der im Vogtland wiederholt auf seiner Meinung nach unsachgemäßen Umgang mit öffentlichem Grün hingewiesen hat, fordert im Hinblick auf einen zur Fällung vorgesehenen und derzeit in vollem Grün stehenden Bergahorn am Spielplatz vor dem Reichenbacher Wasserturm gar "ein Verbot des Baumfrevels".

Hintergrund: Der Bergahorn, der zum Baumensemble innerhalb der denkmalgeschützten Fläche am Wassertrum gehört, war während einer Baumschau in Regie der Regionalen Aufbau- und Dienstleistungsgesellschaft im Mai vergangenen Jahres laut einer Mitteilung der Stadtverwaltung aufgrund "starker Stammfäule im Kronenansatz" zum Fällen bestimmt worden. Diese Einschätzung teilt auch die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt, die nach einer Besichtigung des Ahorns im Februar grünes Licht für die Beseitigung des Baumes gab. Von dem "im Absterben begriffenen" Baum gehe eine "erhebliche Bruchgefahr" aus, auch für dort spielende Kinder, sagt Reichenbachs Pressesprecherin Heike Keßler.

Für Reinhold Turczyk eine Fehldiagnose mit einer vermeidbaren Konsequenz. "Der Bergahorn wurde im Februar nur oberflächlich angesehen. Die lebenden Knospen wären mit einem Fernglas gut sichtbar gewesen", sagt Turczyk und urteilt: "Die Denkmalschutzbehörde hat ihre Arbeit nur oberflächlich gemacht, sonst hätte sie den Fehler in der Fällliste gemerkt." Und: "Bei Bäumen in unter Denkmalschutz stehenden Parks muss die Baumkontrolle etwas genauer erfolgen", sagt der Forstingenieur und verweist im Fall Reichenbach auf seiner Meinung nach weitere Ungenauigkeiten im Umgang mit städtischem Grün.

Und das noch dazu in einem Kulturdenkmal, wie es der Reichenbacher Stadtpark darstellt. Dort sind laut Reinhold Turczyk "in der Woche vom 15. bis 20. März cirka fünf Bäume in der Nähe des unteren Teichs gefällt" worden. Turczyk: "Das ist in dieser Zeit ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz." Das verbietet für die Zeit vom 1. März bis 30. September Gehölzschnitt sowie das Fällen von Bäumen. Außerdem sehe man an den Baumstümpfen, "dass die Bäume alle ohne Fäule waren".

Dies sei auch bei anderen Fällaktionen zu beobachten. Das Nabu-Mitglied betont, dass "ein Baum zu zwei Dritteln hohl oder faul sein darf. Die Restwandstärke muss also nur ein Drittel betragen." Außerdem dürfe am Stamm außen ein Drittel fehlen. "Es darf also eine offene Höhle sein." Statt Bäume zu fällen, müsse nur Totholz (etwa dürre Äste) entfernt werden. Und ausgerechnet das sei am Wasserturm-Bergahorn vergessen worden. "Dort wurde nämlich ein dürrer Starkast übersehen."

Für das Schicksal des Bergahorns dürfte das keine Rolle mehr spielen. Laut Heike Keßler "wird die Fällung dieses Baumes ab Oktober 2010 in Auftrag gegeben."

 
erschienen am 19.07.2010 ( Von Gerd Möckel )
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Wetteraussichten für Reichenbach
Fr

-8 °C
Sa

-10 °C
So

-5 °C
Mo

-1 °C
Di

2 °C
Ärztliche Notdienste

Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte von Annaberg bis Zwickau finden Sie hier.

weiter lesen
 
Hochzeit: Der schönste Tag im Leben

Es soll der schönste Tag im Leben werden: Ihre Hochzeit! Dabei muss jedoch so einiges beachtet werden. Deshalb finden Sie hier Tipps und Anregungen rund ums Thema - ob zu Brautkleid, Blumenschmuck, Honeymoon, Schwiegereltern oder Hochzeitsmessen in der Region. weiter lesen

Das Hochzeits-Magazin der Freien Presse

Wer heiraten möchte, hat viel zu tun.Das Hochzeits-Magazin der Freien Presse zeigt Ihnen auf 84 Seiten Anregungen für den schönsten Tag im Leben. Hier geht's zum Magazin

Gewinnspiel

 
 
Freie Presse vor Ort

08468 Reichenbach/V
Markt 5
Telefon: 03765 5595-0


Öffnungszeiten:
Mo. bis Do. 9.00 - 18.00 Uhr, Fr. 9.00 - 16.00 Uhr

weiter lesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Unsere Partner
vms
aok
chursächsische
Content Partner

OA ist ein Online-PR & Social Media News Portal für effiziente Öffentlichkeits- und Pressearbeit.

 

 


Der Partner für Ihren Kredit