Kelterei "Wir setzen auf die Treue unserer Kunden." Geschäftsführer Bernhard Beer verspricht weiterhin Qualität der Marke Mylauer.

Foto: Franko Martin

Die Mylauer Kelterei startet neu durch

Geschäftsführer: Lohnmosterei ab Ende August mit 30 Annahmestellen - Insolvenz-Turbulenzen ausgestanden - Schiefe Betriebs-Esse kommt weg

Mylau. Mylau. Gute Nachrichten von der Kelterei Göltzschtal Mylau. Das im Vorjahr in Insolvenz gegangene Unternehmen startet nach den Turbulenzen im Zusammenhang mit nicht bedienten Krediten mit Lohnmosterei und Co. neu durch. "Die Kelterei war trotz der Insolvenz keinen Tag geschlossen", betont Bernhard Beer, der Geschäftsführer der Göltzschtaler Vertriebs GmbH. Die Gesellschaft führt die Geschäfte der insolventen Genossenschaft weiter und nimmt die bald beginnende Lohnmosterei-Saison mit wie bisher zehn Beschäftigten in Angriff.

Zum Insolvenzverfahren war es laut Bernhard Beer gekommen, da er sich aufgrund einer längeren krankheitsbedingten Abwesenheit nicht in vollem Umfang um den Verkauf kümmern konnte. "Wir hatten ungeheure Warenbestände, konnten aber nicht im erforderlichen Umfang verkaufen, damit wurden auch die Kredite nicht mehr ausreichend bedient", erklärt der Geschäftsführer. Jetzt sei alles im Lot, der Traditionsbetrieb denkt sogar an die Ausbildung eines Lehrlings zum Fruchtsafttechniker. Direkt- und Konzentratsäfte der Marke Mylau werde es weiterhin in gewohntem Umfang geben. "Von der Annahme der Äpfel, über das Pressen mit unserer Technik im Hause bis hin zu Rezeptur und Abfüllung ändert sich gar nichts. Damit gibt es auch überhaupt keine Abstriche an der Qualität", betont Bernhard Beer.

Start der Lohnmosterei ist der 23. August. Dann stehen die Mylauer sowie die etwa 30 weiteren Annahmestellen in Südwestsachsen bis nach Chemnitz und in Thüringen den Kunden offen. Das angelieferte Obst wird in Mylau gepresst, der Saft in Tanks gelagert, danach geht er wie in den letzten Jahren auf die Reise nach Würzburg. Die Bayla-Früchteverwertung füllt dann Apfelsaft, Apfelwein beziehungsweise dort nach Mylauer Rezeptur hergestellte Konzentratsäfte wie Orangen- oder Bananensaft handelsfertig unter der Marke Mylauer ab. "Für eine eigene Abfüllanlage sind unsere Produktionsmengen letztlich zu klein, das würde sich nicht rechnen", sagt der Geschäftsführer.

In Mylau können 1,5 Millionen Liter Saft gelagert werden. "Wir hatten auch schon mehr als drei Millionen Liter Saisonproduktion. Aber was jetzt kommt, können wir natürlich noch nicht genau abschätzen", setzt Bernhard Beer weiter auf die Treue der Kunden. Volumen, die über der Mylauer Kapazitätsgrenze liegen, werden anderweitig verkauft. Zum Vergleich: Drei Millionen Liter Apfelsaft entsprechen ziemlich genau 4000 Tonnen Äpfel.

Um die gefahrlose Anfahrt der Lohnmosterei-Kunden zur Mylauer Kelterei gewährleisten zu können, ist auch das Ende des schiefen und das Stadtbild prägenden Schornsteins vorgesehen. Der sich bedrohlich neigende obere Teil des 33 Meter hohen Schlots auf dem Betriebsgelände wird vom 16. bis 18. August via Kran abgetragen. "Gegen Jahresende kommt auch noch der Stumpf weg", kündigt Bernhard Beer an. Die Esse war aufgrund des strengen Winters mit Frost und Eis bedenklich in Schieflage geraten und hatte zuletzt mehrere Kritiker auf den Plan gerufen, die ein Umstürzen des Giganten befürchteten.

 
erschienen am 29.07.2010 ( Von Gerd Möckel )
 
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