Güterbahnhof Der Reichenbacher Güterbahnhof: Von außen war nicht viel zu sehen, nur ein Transparent mit der Aufschrift "Dieses Haus lebt" und die Anarchie-Fahne wiesen auf die Aktion hin.

Foto: JB Steps

Güterbahnhof besetzt - Mahnung gegen Verfall in Reichenbach

Bands und Liedermacher treten im Gebäude auf - Wächterhaus-Modell gefordert

Reichenbach. Reichenbach. Von der Öffentlichkeit unbemerkt haben junge Reichenbacher von Freitagabend bis Sonntag ein Gebäude am ehemaligen Güterbahnhof besetzt. "Mit dieser Aktion wollen wir auf den zunehmenden Leerstand und Verfall des Stadtbildes hinweisen", erklärte einer der Teilnehmer.

Für das kulturell ausgerichtete Wochenende hatten sich die Akteure mehrere Bands und einen Liedermacher eingeladen. Eine der Gruppen kam aus Berlin und lebt dort in einem besetzten Haus. Im Vorfeld hatten die jungen Leute, allesamt zwischen 18 und 30 Jahren, bereits einiges in dem Gebäude verändert. So musste aus den Räumen Schutt entfernt werden, ein Zimmer des früheren Bürogebäudes wurde zum Konzertsaal umfunktioniert, in anderen Räumen wurden Ruhezonen eingerichtet. "Wir haben einen Teil der ehemaligen Lagerhallen und sanitären Anlagen nutzbar gemacht. Der Zustand der Immobilie wurde also verbessert", heißt es in einer Erklärung, die an "Freie Presse" übergeben wurde. An der Fassade des Hauses wiesen Transparente auf die Besetzung hin. Aufgrund des erneuten Wintereinbruchs war jedoch der Publikumsverkehr auf dem Gelände zwischen Höferstraße und Bahnhof gering, sodass Außenstehende die Aktion kaum wahrgenommen haben.

"Sinn und Zweck der Aktion ist es, auf den Leerstand vieler noch intakter Gebäude aufmerksam zu machen. An unkommerzieller Kultur interessierte Menschen finden in unserer Stadt kaum Möglichkeiten, sich zu verwirklichen", heißt es in der Presseerklärung. Deshalb wollten die Initiatoren ein gutes Beispiel liefern. Nur durch Mundpropaganda kamen vor allem zu den Konzerten am Abend viele Gäste.

Vor der Besetzung des Hauses hätten sich die Akteure an mehreren Orten umgesehen, das Gebäude am Bahnhof dann als günstigstes ausgewählt. Ihnen schwebt die Nutzung eines Hauses nach dem in Leipzig erfolgreich praktizierten Wächterhaus-Modell vor. Es geht um die Erhaltung von Brachen durch mietfreie Nutzung. "Reichenbach könnte mit einem vergleichbaren Konzept ein Zeichen gegen die Abwanderung setzen. Dies könnte verschiedensten Projekten den nötigen Raum zur Verfügung stellen", heißt es. Die Organisatoren legen Wert darauf, ihre Aktionen friedlich verlaufen zu lassen. Mit der Wochenendaktion sei die "Inbesitznahme" erst einmal beendet.

 
erschienen am 07.03.2010 ( Von Petra Steps )
 
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