Axel Wlodarczyk und Carolin Dittrich von der Friedhofsverwaltung schauen sich auf dem Areal des Hauptfriedhofs um, das künftig die Baumgräber beherbergen soll. Der Bewuchs links wird entfernt, die ehrwürdige alte Eiche im Hintergrund wird der Anlage Schatten spenden.
Foto: Franko Martin
Jetzt auch Baumgräber in Reichenbach
Als erste Kommune des Vogtlandes wird die Stadt Bestattungen direkt unter Bäumen ermöglichen
Reichenbach. Bis zum Jahresende soll es soweit sein: Ein Grabfeld auf dem Reichenbacher Hauptfriedhof, rechts der Trauerhalle gelegen, wird zur Anlage für Baumgräber umgestaltet. Der Technische Ausschuss hat die notwendige Investition von 15.000 Euro auf seiner jüngsten Sitzung gebilligt, ansonsten wurde über das Thema nicht debattiert. Dabei nimmt Reichenbach eine bestattungskulturelle Vorreiter-Rolle ein, wenn das Vorhaben umgesetzt wird: "Unseres Wissens sind wir die einzigen weit und breit, die solche Baumgräber anbieten", erklärt Jochen Meth, der zuständige Abteilungsleiter im Reichenbacher Rathaus. Erst seit Juli 2009 sind solche Baumbestattungen in Sachsen ausdrücklich erlaubt, die Stadt Reichenbach hatte sie in ihre neue Friedhofssatzung aufgenommen und damit die Möglichkeit geschaffen, derartige Gräber anzulegen. Bisher gibt es so etwas nur in Städten wie Leipzig, Dresden oder Chemnitz.
Wie Meth erläutert, sollen vier bis fünf Laubbäume gepflanzt werden, an deren Wurzeln jeweils vier bis acht Urnen beigesetzt werden könnten. "Es werden ordentliche Bäume sein, damit das ein Bild gibt, einer wird 600 bis 1000 Euro kosten", schätzt der Abteilungsleiter. Die Vorgabe sei, dass sie im Frühjahr und Sommer eine schöne Blüte und im Herbst prächtig gefärbtes Laub hätten. Ein Landschaftsarchitekt solle Vorschläge für die genaue Gestaltung des Areals unterbreiten. Bei der Finanzierung werde die Stadt in Vorleistung gehen, ein Grab an den Baumwurzeln soll laut Meth für die Liegezeit von 20 Jahren 1700 Euro kosten. "Die Bestattungskultur ändert sich, wir müssen darauf reagieren", meint Meth. Er spricht von bisher acht Anfragen für Baumgräber. Der Friedhof sei sowohl Aushängeschild als auch Einnahmequelle für die Stadt.
Wie Daniel Krauß von der Friedhofsverwaltung präzisiert, soll im Oktober mit dem Roden überflüssiger Bäume und Sträucher (oft Koniferen) auf dem Grabfeld begonnen werden. Vorher geht es wegen der Vegetationsperiode nicht. Und dann muss es schnell gehen, weil noch vor dem ersten Frost die Bäume gesetzt werden sollen. Übrigens haben Interessenten schon jetzt die Chance auf ein Grab an den Wurzeln: "Urnen können ja maximal ein halbes Jahr gelagert werden, bis dahin sind die Baumgräber fertig."
Laut Krauß wird es in der Anlage einen zentralen Anlaufpunkt mit einer Stele geben, auf der die Namen der Beigesetzten zu lesen sind. Meth spricht dagegen von Varianten mit oder ohne Namenstafeln an den Bäumen. Entscheiden wird sich dies wohl spätestens im September, wenn der Plan des Architekten im Technischen Ausschuss vorgestellt werden soll. Er muss mit der Unteren Denkmalbehörde abgestimmt werden - schließlich ist der Hauptfriedhof ein Flächendenkmal.


