Kita-Prozess wird im September neu aufgerollt
Verteidiger und Staatsanwaltschaft legen Berufung ein
Mechelgrün/Reichenbach. Mechelgrün/Reichenbach. Das Gerichtsverfahren um Misshandlungsvorwürfe im Mechelgrüner Kindergarten "Sonnenkäfer" geht in die nächste Instanz. Für September ist am Zwickauer Landgericht die Berufungsverhandlung anberaumt worden. Vom Auerbacher Amtsgericht waren im Dezember vergangenen Jahres zwei damals 53 und 48 Jahre alte Erzieherinnen wegen Nötigung und Körperverletzung zu Geldstrafen in Höhe von 7540 beziehungsweise 4500 Euro verurteilt worden. Beide Frauen sind nicht mehr in der Kita beschäftigt. Auch ein Trägerwechsel fand infolge der Ermittlungen statt. Die Volkssolidarität Reichenbach hat die vormals kommunale Einrichtung in Mechelgrün übernommen.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Kindern, die etwa zu laut waren, Pflaster auf den Mund geklebt wurde und dass Kinder zwangsgefüttert beziehungsweise geschlagen worden sind. Die Verteidiger plädierten hingegen auf Freispruch ihrer beiden Mandantinnen. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger fordern neben Geld- noch Gefängnisstrafen sowie ein Berufsverbot. Beide Seiten kündigten schon damals eine Berufung an.
Die im Frühjahr 2009 nicht zuletzt durch die Initiative betroffener Eltern bekannt gewordenen Geschehnisse in der Tagesstätte "Sonnenkäfer" hatten bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Für die Berufungsverhandlung in Zwickau sind insgesamt drei Verhandlungstage vorgesehen: am 16., 21. und 30. September.
Nach den Vorwürfen der Kindesmisshandlung in der Kindertagesstätte "Sonnenkäfer" in Mechelgrün hat das Jugendamt des Vogtlandkreises Veränderungen in den Leitungsstrukturen der 189 hiesigen Kindergärten veranlasst. So ist in jeder noch so kleinen Einrichtung künftig eine eigenständige Leiterin zu benennen.


