Nema: 35 Prozent mehr Lohn
IG Metall ringt GEA-Konzern Zugeständnisse ab - Anbindung an Flächentarifvertrag bei vollen Auftragsbüchern
Netzschkau. Netzschkau. Der Kampf um die berufliche Zukunft der 180 Mitarbeiter der vom Aus bedrohten Netzschkauer GEA Nema Wärmetauscher GmbH verzeichnet einen ersten Erfolg auf tariflicher Ebene. Wie Stefan Kademann von der IG Metall Zwickau am Donnerstag mitteilte, erhalten die Nema-Beschäftigten rückwirkend zum 1. Mai bis zu 35 Prozent mehr Lohn und eine Anbindung an den Flächentarifvertrag. Darin enthalten sind zudem Vereinbarungen über Zuschläge, die Verkürzung der Arbeitszeit seit Monatsbeginn auf 38 Stunden und für dieses Jahr 28 Tage beziehungsweise für nächstes Jahr Anspruch auf 30 Tage Urlaub.
"Das ist ein Teilerfolg, über den wir uns freuen. Die GEA hat damit zähneknirschend unseren Forderungen zugestimmt", kommentierte Kademann am Donnerstag die von der IG Metall und der Nema-Tarifkommission erfolgreich geführten Tarifverhandlungen mit der Konzernspitze in Bochum. Im Falle des Scheiterns der Gespräche hatten die Vogtländer mit Streik gedroht. "Außerdem quellen die Auftragsbücher weiterhin über, die GEA steht in der Wärmetauscher-Produktion unter Termindruck", erläuterte der Metaller mögliche Beweggründe auf Konzernseite.
Dass der Konzern, der für Netzschkau sogar die rollende Woche ins Gespräch gebracht hat, trotz dieser Auslastung Zugeständnisse in Form von mehr Urlaub und weniger Arbeitszeit gemacht hat, zeige, "dass die GEA hier Ruhe haben will", vermutet Stefan Kademann. Die derzeitige Auftragslage weckt sogar leise Hoffnungen, das bis zum Jahresende vorgesehene Produktions-Aus in Netzschkau "vielleicht noch hinausschieben zu können". In jedem Fall, so Kademann, bietet die Tarifbindung hinsichtlich möglicher Lohnersatzleistungen wie Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld eine deutlich verbesserte Ausgangslage.
Neben den Tarifgesprächen laufen derzeit Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan. Komme keine Einigung zustande, werde unter dem Vorsitz eines Arbeitsrichters in einer Einigungsstelle nach einem Kompromiss gesucht. Der könnte die Form einer Transfergesellschaft annehmen.
Für Stefan Kademann und andere im Kampf um den Erhalt des Traditionsstandortes bemühte Streiter ist weiterhin unklar, warum GEA den laut IG Metall "profitablen Standort" schließen will, der bei hoher Effektivität und niedrigen Löhnen doch fast schon die Verhältnisse geboten hat, die GEA entgegenkommen müssten. 35 Prozent mehr Lohn heißt nämlich: Bisher haben die Nema-Werker 35 Prozent unter Tarif verdient. Kademann: "Ich habe einem GEA-Manager gesagt, ihr habt doch hier schon Lowkost-Verhältnisse, warum wollt ihr dann schließen? Da hat er mit den Achseln gezuckt."


