Rathaus "erstrahlt" komplett in Rosa-Beige
Denkmalschutz verteidigt bei Bauabnahme in Lengenfeld umstrittene Farbgebung - Amtsleiter plädiert für mehr Gelassenheit
Lengenfeld. Lengenfeld. Vertreter des Landesdenkmalamtes aus Dresden und der Unteren Denkmalbehörde des Landratsamtes des Vogtlandkreises haben in Lengenfeld die umstrittene Farbgebung für das Rathaus verteidigt. Bei der Bauabnahme am Freitag ist die denkmalschützerische Vorgabe bei der Fassadengestaltung nochmals erörtert worden. Die Farbgebung, ein verwaschen wirkendes Rosa-Beige, hat in Lengenfeld Kritik ausgelöst. Auch Stadträte nannten das Aussehen kürzlich als wenig zeitgemäß, unfertig aussehend und unschön.
Bauamtsleiter Arnfried Tiepner: "Die Denkmalschützer halten an der Richtigkeit der Farbgebung fest und beziehen sich auf etwa 140 Jahre alte Dokumente. Die Farbe präge den Charakter des Gebäudes, wurde gesagt." Kleine Nachbesserungen seien nach Ansicht der Experten lediglich am Sandsteinsockel erforderlich, einige der Steine hätten laut Denkmalschutz eine zu glatte Struktur, wurde bemängelt. Gewünscht sei eine gröbere Struktur.
Ein Mitsprache- oder gar Vetorecht habe die Stadt bei der Farbauswahl kaum. "Wenn wir uns weigern, die Vorgaben des Denkmalschutzes umzusetzen, riskieren wir die denkmalschutzrechtliche Genehmigung - und diese ist Bestandteil des Bauantrages. Wir würden also die Sanierung in Frage stellen", erklärt Tiepner. Außerdem ist Tiepner der Auffassung, dass gerade die Stadt bei der Umsetzung rechtlicher Vorgaben Vorbild sein müsse.
Nach dem Gebäude Hauptstraße 3 soll auch das Haus Nummer 1 einen ähnlich unspektakulären Farbton erhalten, "eine Art Grau-Beige", sagt Tiepner. Ein wenig könne man sich eine Vorstellung vom künftigen Aussehen des Rathauses machen beim Betrachten der Fassade an der Weststraße. Dort seien die Bauplanen schon entfernt. Der Bauamtsleiter steht eigenen Worten zufolge nicht auf Kriegsfuß mit der Farbe. "Ich kann damit leben", sagt er.
Außerdem müsse man sich damit abfinden, dass man es nie allen Leuten Recht machen kann, wenn man im öffentlichen Raum baut. "Es wird immer Leute geben, die sagen, das hätte man besser machen können, manchmal ist die Kritik berechtigt, manchmal auch nicht", so Tiepner, der in solchen Fällen gern einen Blick auf den Spruch an seiner Wand wirft, die Inschrift des Rathauses in Riga:
"Wer da bauet an der Straße
muss die Leute reden lassen
einer acht's
der andre verlacht's
der andre betracht's
was macht's."


