Rechter Drill im Schullandheim
Osterlager der rechtsradikalen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) in Limbach - Awo fühlt sich überrumpelt
Limbach. Im Schullandheim Limbach haben sich Mitglieder der als rechtsextrem geltenden Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) eingenistet. Unter dem Vorwand, es handele sich um eine Pfadfindergruppe, hatten Funktionäre des paramilitärisch organisierten und uniformierten Jugendverbandes 50 Kinder und Jugendliche sowie acht Betreuer angemeldet. Am Montag trafen sie in der idyllisch im Wald gelegenen und vor neugierigen Blicken verborgenen Einrichtung ein, wo sie bis Samstag bleiben wollen. Doch bereits Dienstagnachmittag flog der Spuk auf.
Eine Gruppe von Journalisten, tauchte am Schullandheim auf, dann huschten mehrere dunkel uniformierte Gestalten durch den Wald, offenbar von dem plötzlichen Trubel aufgeschreckte Wachposten. Die Polizei traf mit zwei Fahrzeugen ein. Die Journalistin Andrea Röpke, deren Reportagen aus dem rechten Milieu von Politmagazinen wie Spiegel TV und Fakt ausgestrahlt werden, informierte den Reichenbacher Polizeirevierleiter Michael Peetz über ihre Absicht, im oder zumindest am Schullandheim zu filmen. Zugleich bat sie wegen der Aggressivität der HDJ-Leute um Unterstützung.
Peetz erwiderte, er werde zunächst mit einem Kollegen ins Schullandheim gehen und sich erkundigen, was dort passiert. Nach ein paar Minuten kehrte er zurück und bestätigte, es handele sich offenbar um eine rechte Gruppierung. Eine Handhabe, deren Treiben zu unterbinden, habe er jedoch nicht. "Wir haben den Staatsschutz informiert. Die Kollegen werden sich der Sache annehmen", erklärte Reichenbachs Polizeichef, während sich hinter ihm zwei dunkel Uniformierte aufbauten. Andrea Röpke nutzte die Chance und bewies, warum sie als Enthüllungsjournalistin mehrfach preisgekrönt ist. "Herr R., was macht ihre Wehrsportgruppe Altona", redete sie einen der beiden an, der sich wie ein ertapptes Kind wegdrehte.
Als auf Drängen der HDJ-Uniformierten das Tor abgeschlossen war und die Polizisten das Grundstück nicht sofort verlassen konnten, wich Michael Peetz' Zurückhaltung und Besonnenheit für einen Moment einem bedrohlich scharfen Ton. Und eine Dame mit Schlüssel ließ die uniformierte Staatsmacht heraus.
Andrea Röpke arbeitet an einem Beitrag für das Politmagazin Panorama. Darin beschreibt die Autorin mehrerer Bücher (u. a. "Ferien im Führerbunker") Drill und neonazistische Kindererziehung der HDJ. In Limbach handele es sich um das Osterlager der HDJ-Leitstelle Süd, an dem die Einheiten Franken, Hessen und Schwaben teilnehmen. Die Uniformen seien definitiv verboten, und weil die HDJ in mehreren Bundesländern strafrechtlich verfolgt wird, weiche sie nach Sachsen aus.
Die Awo-Vogtland, Bereich Reichenbach als Träger des Schullandheims fühlt sich von den Rechten überrumpelt, die zur Anmeldung offenbar falsche Angaben gemacht haben. Geschäftsführer Steffan Günther erfuhr erst durch die Polizeiaktion, wer sich im Heim herumtreibt. Wie die Awo zu Rechtsradikalismus steht, das zeige allein ein in Mylau initiiertes Projekt des Vereins gegen Rechts. Günther erklärt: "Wir werden genau beobachten und kontrollieren, was dort läuft." Für einen Rausschmiss reiche es bislang jedoch nicht.
TV-Tipp:
"Panorama", ARD, Mittwoch, 21.45 Uhr


