Volker Liskowsky - Kreisrat der Grünen im Vogtland und Ex-Professor der WHZ.Foto: Franko Martin
Regenerative Rohstoffe als Rettungsanker für Reichenbach
Ex-Professor schlägt innovativen Studiengang für WHZ vor
Reichenbach. Fürs erste scheint das drohende Aus für den Reichenbacher Teil der Westsächsischen Hochschule (WHZ) abgewendet zu sein. Nach Protesten hat Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) zugesichert, dass der Landtag die Schließungspläne des Wissenschaftsministeriums prüft. Doch wie ist Reichenbach dauerhaft zu retten? Darüber sprach Ulrich Riedel mit Volker Liskowsky, dem kürzlich in Ruhestand gegangenen langjährigen Professor für Kfz-Technik an der WHZ in Zwickau und Kreisrat der Grünen im Vogtland.
"Freie Presse": Sie kennen die WHZ aus dem Effeff. Was geht da momentan in Bezug auf Reichenbach vor sich?
Volker Liskowsky: Leider gab es am Hochschulteil Reichenbach in den letzten Jahren kaum eine Entwicklung. Das war gefährlich. Politiker, Firmen, Industrie- und Handelskammer - sie alle haben es schleifen lassen. Angefangen bei Landrat Tassilo Lenk und auch Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer.
"Freie Presse": Vom neuen Rektor der WHZ, Gunter Krautheim, war auch kein klares Bekenntnis zu Reichenbach zu hören.
Volker Liskowsky: Ich weiß nicht, was gerade ihn als Plauener reitet, Reichenbach nicht voll zu unterstützen. Herr Krautheim muss eins verstehen: Mit dem Aus für Reichenbach wird das Vogtland geschwächt und die WHZ keinesfalls gestärkt.
"Freie Presse": Schon die Abstufung des deutschlandweit einmaligen Fachbereichs Textil- und Ledertechnik in ein an der Fakultät Automobil- und Maschinenbau angegliedertes Institut war eine Schwächung. War das der Anfang eines geplanten Endes?
Volker Liskowsky: Selbstverständlich. Und wenn das Wissenschaftsministerium jetzt behauptet, das Institut in Zwickau anzusiedeln, dann bitteschön wo? Der Platz, über den Reichenbach für die praxisorientierte Ausbildung verfügt, ist einmalig und keinesfalls in Zwickau wieder einrichtbar.
"Freie Presse": Was ist jetzt zu tun, um Westsachsen und das Vogtland als Hochschulstandort zu stärken?
Volker Liskowsky: Ich denke, vor allem von Reichenbach müssen Initiativen ausgehen. Proteste und Unterschriftensammlungen vor der Post nützen wenig.
"Freie Presse": Aber was nützt konkret?
Volker Liskowsky: Architektur sowie Textil- und Ledertechnik passt. Die "Stoffliche Verarbeitung und Verwendung nachwachsender Rohstoffe" wäre eine Ergänzung und entspricht auch den derzeitigen Erfordernissen der auf alternative Rohstoffe und alternative Energien setzenden Forschung. Das schafft die Verbindung zwischen Textiltechnik und Bausektor.
"Freie Presse": Das klingt plausibel, doch wer soll das umsetzen?
Volker Liskowsky: Als erstes sollte ganz schnell eine Arbeitsgruppe gebildet werden, um die Finanzierung und Ausschreibung für eine Stiftungsprofessur zu organisieren. Gelingt das, ist als zweites ein Fachmann zu berufen, der einen solchen Studiengang entwickelt. Er muss die Labors vorbereiten, die Kontakte mit der Wirtschaft knüpfen, sich um Praktikumsplätze und Jobs kümmern.
"Freie Presse": Und wie stellen Sie sich die Finanzierung vor?
Volker Liskowsky: Eine Stiftungsprofessur ist so teuer nicht. Das geht schon ab rund 100.000 Euro pro Jahr. Da wäre die Sparkasse Vogtland gefragt - und natürlich auch Firmen der Region.
"Freie Presse": Sie stellen Forderungen an andere. Wären Sie bereit, selbst bei der Stärkung der Hochschulausbildung im Vogtland zu helfen?
Volker Liskowsky: Ja, da würde ich mitmachen. Aber in die Hand nehmen müssen das andere - zuerst steht der Reichenbacher Oberbürgermeister Dieter Kießling in der Pflicht.

