Am Beruflichen Schulzentrum in Reichenbach gibt es nicht nur das neue Berufsvorbereitungsjahr. Am Dienstag gab das Berufsinformationszentrum Plauen Neuntklässlern vom Mylauer Futurum-Gymnasium Berufswahl-Tipps. Von links: Lydia Heilmann, Azubi in der Arbeitsagentur, berät Isabell Streit, Julius Matthes und Max Riedel.
Foto: Franko Martin
Reichenbach macht Schule
Berufliches Schulzentrum beschreitet neue Wege bei der Berufsvorbereitung von benachteiligten Jugendlichen
Reichenbach. Das Berufliche Schulzentrum (BSZ) Reichenbach ist einer von zehn Standorten, an denen seit 2008 mit Erfolg in einem sachsenweiten Schulversuch das bisher einjährige Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) für benachteiligte Jugendliche auf zwei Jahre gestreckt wird. Mit erhöhtem Praxisanteil, mit sozialpädagogischer Betreuung und kleineren Klassen. "Dieses Angebot ist auch weiterhin notwendig, um alle Jugendlichen mit negativer Lebens- und Lernerfahrung zur Ausbildungsreife zu bringen. Dass es mit diesem neuen Angebot geht, das zeigt der Schulversuch bei uns", sagte BSZ-Schulleiter Tasso Börner am Dienstag während der Unterzeichnung einer Rahmenvereinbarung etwa mit Vertretern des Landkreises als dem Schulträger, von Bildungs- und Arbeitsagentur oder des Arbeitskreises Schule/Wirtschaft Vogtland.
Erfolgsmodell soll Zukunft haben
Ziel der Vereinbarung ist unter anderem die feste Verankerung des zweijährigen Berufsvorbereitungsjahrs mit den Ausbildungsinhalten Bau und Hauswirtschaft/Landwirtschaft in der Regelausbildung. Denn der Schulversuch endet im Juli. Über die Rahmenvereinbarung soll auch die künftige Finanzierung dieser im Pilotversuch mit Geld aus dem europäischen Sozialfonds ermöglichten Ausbildung gewährleistet werden. Angesprochen sind Jugendliche ohne Schulabschluss und Förderschüler, die ihren Hauptschulabschluss machen und dann eine Lehre aufnehmen sollen.
In Reichenbach geschah dies in zwei Jahrgängen mit Erfolg. Wie Lehrerin Ute Franke sagte, sind alle BVJ-Absolventen in Ausbildung. Sachsenweit hatte der Versuch mit 154 Schülern begonnen, von denen 96 bei der Stange blieben. 70 Prozent schafften den Hauptschulabschluss. "Das ist sehr gut, denn viele Schüler haben massive Probleme", sagte die Lehrerin und sprach von gravierenden Mängeln in der Lern- und Sozialkompetenz, von häuslichen Problemen und Konflikten mit dem Gesetz. "Diese Jugendlichen hatten bisher nie ein Erfolgserlebnis. Jetzt sehen sie, dass man sie ernst nimmt."
Uni-Studie und Politiker-Lob
Die Projekt-Ergebnisse werden an der Uni in Frankfurt/Main verfolgt. Dort läuft eine Studie, die den Schulversuch wissenschaftlich begleitet. Die enge sozialpädagogische Betreuung der Jugendlichen auch im Praxisteil ist für Projektleiterin Elke Wällnitz vom Sächsischen Bildungsinstitut entscheidend. "Hier geht Erziehung vor Bildung. Passt das, entlassen wir sie in ein Leben, in dem sie auch das Berufliche in den Griff bekommen können."
Positive Signale gab es am Dienstag von Dezernent Lars Beck, der den Vogtlandkreis bei der Finanzierung in der Pflicht sieht. "Der Kreis leistet weiter seinen Part. Das ist eine sinnvolle Investition in die Zukunft." Auch CDU-Landtagsabgeordneter Alfons Kienzle war angetan: "Ich werde im Landtag für die weitere Finanzierung des Projekts werben."


