Horst Feiler ist 89 Jahre alt. Er lief in 24 Stunden 86,4 Kilometer.
Foto: JB Steps
Rüstiger Dauerläufer schlägt Jubilar Wasserturm um vier Jahre
Fest zum 85-jährigen Bestehen des Wasserturms und der 24-Stunden-Lauf gingen in Reichenbach parallel über die Bühne
Reichenbach . Reichenbach. In den Ergebnislisten ganz vorn tauchen andere auf. Manchmal spult Horst Feiler seine Runden beinahe unbemerkt ab. 72 an der Zahl waren es beim 24-Stunden-Lauf in Reichenbach diesmal. Das macht 86,4 Kilometer insgesamt. Horst Feiler landete damit auf Platz 101. Zehn Läufer ließ er noch hinter sich. Dennoch stellte der Mann aus Nienburg in Niedersachsen am Wochenende in der Neuberinstadt alle in den Schatten - selbst den Wasserturm. Dessen 85-jähriges Bestehen wurde gefeiert. Horst Feiler schlug den Jubilar um vier Jahre.
In der Läuferszene ist der 89-Jährige ein bekannter Mann. Mit 66 Jahren fing sein Läufer-Leben so richtig an. Da absolvierte er seinen ersten Marathon. Ein Jahr später, 1989 war das, lief er erstmals 100 Kilometer am Stück. Wie macht er das? "Alles was hart macht, ist Medizin", lautet seine Devise. Und das nimmt er durchaus wörtlich. Nach einem schweren Unfall in den 1970er Jahren brachte er sich durch Laufen und Schwimmen wieder in Form - die Grundlage für derartige Höchstleistungen im hohen Alter.
Wasserturm 24 Stunden offen
Der 24-Stundenlauf im Reichenbacher Stadion bot den Rahmen für das 85-jährige Jubiläum des benachbarten Wasserturms. Das Wahrzeichen wurde aus diesem Anlass 24 Stunden lang für Besucher geöffnet. Den Gästen war dabei die Dauerausstellung über den Bau, die Sanierung und die Geschichte des Wasserturmes und der Wasserversorgung zugänglich. Außerdem wurde für 24 Stunden die Wanderausstellung mit den besten Fotos von Wettbewerben der regionalen Wasserunternehmen aus Sachsen und Thüringen zum Thema "Wasser, Alltag, Lebensfreude" gezeigt. Interessierte konnten sich durch Mitarbeiter des Zweckverbandes Wasser/Abwasser Vogtland (Zwav) den Behälterraum und den Rohrkeller erklären lassen. "Diese Gelegenheit gibt es nur selten, da die Räume in der Verantwortung des Zwav liegen", sagte Mitarbeiter Uwe Hahn.
Der Historiker Wolfgang Richter vom Fremdenverkehrsverein "Nördliches Vogtland" gab Auskunft über ein Stück Geschichte des Bauwerkes, das vom Reichenbacher Architekten Rudolf Ladewig entworfen und unter seiner Leitung in nur fünfeinhalb Monaten errichtet wurde. Richter erinnerte an Zeiten, als im Wasserturm noch eine Jugendherberge untergebracht war. Sie befand sich in den heutigen Ausstellungsräumen. Er verwies auf eine noch vorhandene Metalltür, die das Treppenhaus vor unbefugtem Betreten durch Jugendliche sichern sollte. "Die Tür hatte nur einen moralischen Effekt, denn man konnte daran vorbeiklettern", entsinnt sich der Reichenbacher. Im Behälterraum stehen vier große Edelstahlbehälter. "Früher waren hier zwei große ausgeteerte Kammern, in denen sich das Wasser befand. Im Zuge der Sanierung in den 1990er Jahren wurden die neuen Behälter installiert", erklärte Uwe Hahn den Gästen. Heute wird die Wasserversorgung von Plauen aus ferngesteuert. Mitarbeiter sind nur noch selten vor Ort. "Bei den normalen Öffnungszeiten ist wenig los. Heute ist die Resonanz der Besucher überwältigend", gestand Richter. Das zeuge von großem Interesse der Reichenbacher und bedingt durch den 24-Stunden-Lauf auch vieler Gäste von auswärts.
Am Nachmittag kamen viele Familien, um sich mit den Maskottchen "Turmi" und Aqualino fotografieren zu lassen. Hahn staunte, dass das Zwav-Maskottchen Aqualino einen so großen Bekanntheitsgrad bei den Kindern hat.
Einmalig: Panorama bei Nacht
Durch die 24-Stunden-Öffnung hatten Besucher die Gelegenheit, das Reichenbacher Panorama bei Nacht zu betrachten. "Ich war schon öfter hier oben, aber noch nie nachts, deshalb bin ich heute extra hergekommen", freute sich Bernd-Peter Dörfel über die ungewöhnliche Aussicht. Schon tagsüber hatte sich den Gästen ein Blick weit ins Land geboten. Gut angenommen wurde auch die Wassertheke des Zwav vor dem Turm, die für die Läufer aufgestellt wurde. Steckbrief, Seite Lokalsport


