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Was für ein Prachtkerl. Echo von Dönitz mit Silvia Kölbel und Dieter Friedrich.

Foto: Franko Martin Bild 1 / 3

Späte Gnade für Echo von Dönitz

Auf dem Naturhof Vogtland sorgt seit kurzem edles Geblüt für Wallung bei den Stuten. Der einst gefragte Deckhengst hat in Lengenfeld aber andere Aufgaben. Das um ein Haar zu Wurst verarbeitete Kaltblut gehört nun zu einer illustren Gesellschaft.

Von Gerd Möckel
erschienen am 19.05.2017

Lengenfeld. Stöbert man ein bisschen online, ist Echo von Dönitz auf einem Fachportal noch immer als Deckhengst mit edler DNA zu entdecken. Da ist vom "strahlenden Siegerhengst seiner Körung" die Rede, der nicht nur den Puls der Züchter in die Höhe getrieben haben dürfte: "Ein ganz modern formierter Hengst, der durch Charme, Chic und Beweglichkeit begeistert. Hochinteressant ist seine Blutkombination aus belgisch Ardenner und Altmärker Kaltblut." Auch bei Echos ebenfalls hochtaxierten Eltern schnalzen Kenner mit der Zunge. Und auch Silvia Kölbel und Dieter Friedrich vom Naturhof Vogtland in Lengenfeld hat es die Erscheinung ihres Neuzugangs angetan. "Ich sehe in ihm aber nicht so sehr das edle Pferd, sondern eher den Partner, der uns bei unserer Arbeit auf dem Feld helfen wird", sagt Silvia Kölbel über den Hengst mit dem klangvollen Namen.

Seit ein paar Wochen steht das Kaltblut auf dem Hof und tastet sich an neue Aufgaben heran. Fohlen zeugt Echo von Dönitz keine mehr. Silvia Kölbel hat den 16-Jährigen kastrieren lassen. "Er hat jetzt das Ziehen zu lernen. Wir betreiben ja keine Zucht", sagt die Hofherrin und wischt dem Wallach den filmtauglichen Scheitel aus der Stirn. Echo von Dönitz hat dazu vielleicht eine andere Meinung; schließlich waren die rossenden Stuten des Hofs (Raja und Livette) bei seiner Ankunft ordentlich in Wallung geraten. Aber der Zugereiste schätzt sicher die späte Gnade, die er auf dem Hof erfährt.

Das Gestüt, auf dem Echo von Dönitz eine ganze Herde edler Nachkommen gezeugt haben dürfte, hatte den Hengst bereits vor der Anfrage aus dem Vogtland als Schlachtpferd aussortiert. "Er war wegen einer Erkrankung schon vor längerer Zeit ausgemustert worden. Wohl eines Versehens wegen stand er noch im Stall", erzählt Silvia Kölbel vom Zufallsfund ihrer Tochter Theresa. Die Studentin der Veterinärmedizin war bei einem Gestütseinsatz im Auftrag einer Tierarztpraxis wohl in letzter Minute auf das Tier gestoßen und hatte flugs zu Hause angerufen. Schnell wurden Kontakte geknüpft, Echo von Dönitz war gerettet.

In seinem neuen Leben lernt der Wallach nun, wie anspruchsvoll die Arbeit als Zugpferd ist. Das Eggen, Grubbern und Pflügen von Wiesen und Feldern verlangt einem Tier viel ab, das bisher mehr oder weniger zum Vergnügen auf der Welt war. "Eine Kutsche wird er wohl auch mal gezogen haben. Hier aber müssen Tier und Mensch richtig an einem Strang ziehen, um ein gutes Arbeitsergebnis zu erzielen", erzählt Silvia Kölbel von ersten Versuchen mit dem Pflug. Da schien Echo noch nicht recht zu wissen, was von ihm erwartet wird. "Wenn er nicht weiterweiß, bleibt er einfach stehen. Das ist schon mal gut, und alles andere kommt noch." Im nächsten Jahr soll das Kaltblut richtig ran - bei der Bodenbearbeitung setzt der Naturhof ausschließlich Pferde ein, da die Tiere anders als schwere Technik das Erdreich nicht verdichten.

Deutlich gebessert haben sich unter dem Einfluss der Medizin Bewegung bereits die Symptome einer beginnenden Gelenk-Arthrose. "Als wir ihn geholt haben, hat er auf einem Bein schon ein bisschen gelahmt. Das ist fast weg", nennt die Hofinhaberin Facetten eines Deckhengst-Lebens: Anders als auf dem weichen Geläuf des Naturhofs war Echo von Dönitz auf dem Gestüt eher auf betonierten Wegen unterwegs. "Auf die Koppel dürfen wertvolle Deckhengste wie er wegen der Verletzungsgefahr gar nicht."

Bewegung hat Echo von Dönitz auf dem Naturhof genug. Und endlich richtige Gefährten. Zum Beispiel Bruno. Wie in Echo pulsiert in den Adern des Hofhunds ein edles Gemisch - ungarischer Hirtenhund und bayerischer Gebirgsschweißhund. Extrakt ist ein pfeilschneller Hansdampf, der Echo gleich als schützenswertes Gut erkannt hat und das Fremden höflich, aber bestimmt zu verstehen gibt. Bruno beäugt auch alle Ausspähversuche aus der Luft kritisch. "Wir hatten ihm nur das Verbellen von Habichten beigebracht, aber er hat das auf alle Vögel gemünzt", spricht Silvia Kölbel eine Komponente im Schutz des Naturhof-Hühnerhofs an.

Die andere ist Herr Meier. Herr Meier ist ein Hahn und Ur-Enkel des gleichnamigen Zucht-Hahns aus einer der Tier-Geschichten, die Silvia Kölbel ab und an nach wahren Begebenheiten schreibt: Dem Ur-Meier der in der DDR weit verbreiteten Rasse Leghorn war eine stark ausgeprägte Freiheitsliebe eigen. Immer wieder war er ausgebüxt und hatte dabei sogar dem Fuchs ein Schnippchen geschlagen. Und dann ist er sogar dem Schlachter entkommen: Herr Meier preschte gackernd aus dem Schlachthaus ins Gebüsch und ward nie wieder gesehen. Der Ur-Enkel verzichtet bis heute auf Ausbruchsversuche. Seine Augenmerk gilt seinem Harem und dem Verhalten von zwei ebenfalls cleveren Tauben - die Thüringer Schnippen sind die letzten Tauben des Hofs. Die anderen hat längst der Habicht geholt. "Nur sie haben Strategien entwickelt, um zu entkommen."

Für Silvia Kölbel sind es solche und tausend andere Alltäglichkeiten, die das Leben lebenswert machen. "Ich liebe das Einmalige, das Besondere, das einem trotz aller Arbeit auf dem Hof immer geschenkt wird." Etwas Einmaliges mehr, das ist nun Echo von Dönitz.

 
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