Stalinismus-Verfolgte fordern: Keine Opferrente für Kriminelle

Bezirksgruppe der Opfer des Stalinismus wählt neuen Vorstand

Buchwald. Buchwald. Die Bezirksgruppe Reichenbach/Auerbach/Elsterberg/ Oberes Vogtland der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) hat einen neuen Vorstand gewählt. Vorsitzender ist Werner Dietz, stellvertretende Vorsitzende seine Ehefrau Petra, die gleichzeitig als Opferbeauftragte für den Vogtlandkreis tätig ist. Die Finanzen liegen in den Händen von Schatzführerin Ulrike Zähringer und Kassenprüfer Heinz Lenk, der zugleich Schriftführer ist. Delegierte zur Bundesversammlung sind Lothar Baumann und Reinhard Bollmeier. Der Vorstand wird durch Angelika Rabalt verstärkt. Werner Dietz hatte Rechenschaft über zwei Jahre Vereinstätigkeit abgelegt. Im Mittelpunkt standen dabei die Besuche der Gedenktreffen in Mühlberg und Buchenwald sowie die Betreuung der Mitglieder und Betroffenen.

Angehörige finden zum Verein

Durch die fortschreitende Aufarbeitung der Geschichte kämen auch immer mehr Angehörige von Opfern zum Verein, meint Petra Dietz. In der Bezirksgruppe sind 140 organisiert. "Noch haben wir nicht alles erreicht, was wir uns vorgenommen haben, vor allem bei der Opferrente", so die stellvertretende Vorsitzende.

Beispielsweise forderten die Mitglieder, dass an Kriminelle keine Opferrente gezahlt wird. Reinhard Bollmeier erklärte, dass auch unter den Freikäufen in die Bundesrepublik etwa zehn Prozent Kriminelle gewesen sein sollen, denen eine solche Rente nicht zustehe.

Bei der Veranstaltung war Siegfried Meyer aus Zwickau anwesend, der die Vogtländer schon seit Jahren beim traditionellen Mühlberg-Gedenktag trifft und Dokumente und andere Gegenstände sammelt. Sein Großvater ist in Mühlberg umgekommen. Er interessiert sich für das Leben und Wirken des Erzgebirgers Stephan Dietrich ("Saafnlob"), der im Lager Mühlberg das schwere Los der Häftlinge durch selbst geschriebene Lieder zu lindern versuchte.

Hilfe bei Recherche

Meyer erklärte, dass ihm viele ehemalige Mühlberg-Häftlinge bei seinen Recherchen über das Lager geholfen haben, darunter auch Vogtländer aus der Bezirksgruppe. Er brachte Fotos und Zeitzeugnisse der inzwischen verstorbenen Traudel Wunderlich aus Wohlhausen. Auch von Günther Schmalfuß aus Netzschkau habe er viel über das Leben in Mühlberg erfahren. Aus den gesammelten Informationen soll ein neues Buch entstehen. "Ich bin froh, dass ich hier auf eine so aktive Bezirksgruppe gestoßen bin. In Zwickau gibt es in dieser Beziehung gar nichts", so Meyer. (pstp)

 
erschienen am 14.03.2010
 
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