Gedenken am Lengenfelder Außenlager Generationen im Gedenken vereint. Der Bruder Bernard Miannays (Mitte) war im Lengenfelder Außenlager des KZ Flossenbürg Häftling. Auf einem der Todesmärsche kurz vor Kriegsende wurde er auf dem Schönheider Sportplatz erschossen. Zu den Gästen aus Frankreich gehörten am Dienstag die Kinder Yelene Thomas und Clement Fleury.

Foto: Franko Martin

Stilles Gedenken und die Marseillaise

Lengenfeld: Eine französische Delegation besucht die KZ-Gedenkstätte - Bürgermedaille für den Leiter der "Association"

Lengenfeld. Lengenfeld. Man hätte am Dienstagvormittag eine Stecknadel fallen hören können, als die Franzosen das Lied von den "Moorsoldaten" anstimmten und die französische Nationalhymne sangen. Für Lengenfelds Bürgermeister Volker Bachmann war es eine "ergreifende Ruhe", die während der Gedenkveranstaltung an der Gedenkstätte für das Flossenbürger KZ-Außenlager am Walkmühlenweg herrschte.

Wie alle fünf Jahre, so war auch am Dienstag eine französische Delegation der Vereinigung der Deportierten und Familien Verschollener des KZ Flossenbürg und seiner Außenlager auf ihrer Gedenkfahrt entlang des so genannten Todesmarsches nach Lengenfeld gekommen. Im Beisein der Lengenfelder Gastgeber und Ulrich Fritz von der Gedenkstätte Flossenbürg legten die Angehörigen von KZ-Opfern Blumen ab, senkten Fahnen und sangen die Marseillaise.

Michel Clisson, Präsident der "Association de Flossenbürg", bedankte sich bei den Lengenfeldern für den Empfang der Delegation, für die an der gepflegten Gedenkstätte auch Getränke bereitstanden. Unter den Stadträten, Kulturbund-Mitgliedern und Lengenfelder Bürgern war Stefan Luckner, dessen Vater Horst 1965 maßgeblichen Anteil an der Errichtung der Gedenkstätte am Walkmühlenweg als einem von insgesamt 94 Außenlagern des KZ Flossenbürg hatte. Bürgermeister Volker Bachmann sprach in seiner Rede aus, was alle dachten: "Nie wieder Hass und Feindschaft", stattdessen Freundschaft und das Bewahren des Gutes Freiheit. Das "Nichtvergessendürfen" sei heute fest auch bei jungen Menschen verankert und werde so von Generation zu Generation weitergegeben.

Berührende Augenblicke

Zu den berührenden Augenblicken am Dienstag gehörte die im Stadtrat beschlossene Übergabe der Lengenfelder Bürgermedaille an Michel Clisson mit der Inschrift "Gemeinsam Erinnern gegen das Vergessen". Damit ehrt die Stadt mit dem Präsidenten der "Association" alle Mitglieder der Vereinigung und ihr Bemühen um Völkerverständigung in Frankreich und in Deutschland. Die Franzosen bedankten sich auf ihre Weise und übergaben an Volker Bachmann eine 1995 aus Anlass des 50-jährigen Kriegsendes in der Gedenkstätte Flossenbürg geprägte Ehrenplakette.

Das Außenlager Lengenfeld, Kommando genannt, stellte Deportierte und Kriegsgefangene unter anderem für die Produktion im Rüstungsbetrieb Leng-Werke. Von den damaligen Baracken, die den Lagerinsassen als Unterkunft dienten, sind heute noch die Grundmauern zu sehen. Die Gedenkstätte befindet sich auf einem ehemaligen Verwaltungsgebäude. Direkt im KZ Flossenbürg waren in der Mehrzahl Franzosen, Polen, Ungarn und Gefangene aus der Sowjetunion zusammengepfercht, die für die "Vernichtung durch Arbeit" vorgesehen waren.

Marsch in den Tod

Im April 1945 begannen dort und in den KZ-Außenlagern Todesmärsche, bei denen kranke und entkräftete Häftlinge auf offener Straße und auf Plätzen erschossen wurden.

Dieser Todesspur von Johanngeorgenstadt über Eibenstock, Schönheide bis Lengenfeld folgte am Dienstag auch Lengenfelds Ortschronist Friedrich Machold. Er saß im Reisebus der Franzosen, die ihre Reise nach dem Gedenken in Lengenfeld in Richtung Zwickau fortsetzten.

Zu den Gästen in Lengenfeld gehörte mit Janoß Pstrag ein naher Angehöriger eines KZ-Opfers. Frantisek Wrtzl aus Prag, einst Häftling am Walkmühlenweg, ließ sich dagegen mit herzlichem Gruß entschuldigen. Der 91-Jährige hätte die Reisestrapazen bei der gegenwärtigen Hitze nicht vertragen.

 
erschienen am 20.07.2010 ( Von Gerd Möckel )
 
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