Würde die Wiederauferstehung des Vogtland-Ballons sehr begrüßen: Wolfgang Tunger, Betreiber des Ballon-Imbisses an der Startbasis des Ballons. "Seit dem Ballon-Aus ist hier meistens Ebbe."
Foto: Franko Martin
Vogtland-Ballon im Aufwind
Führungswechsel in der Betreibergesellschaft - Luftfahrt an der Brücke ab 2012 geplant
Netzschkau. Netzschkau. Kommt in die seit Jahren verfahrene Kiste um den eingestellten Betrieb des Vogtland-Ballons an der Göltzschtalbrücke Bewegung? Netzschkaus Bürgermeister Werner Müller (SPD) glaubt wieder einmal an ein Comeback des Touristen-Magneten, dessen Aus aufgrund eines 25.000-Euro-Finanzierungslochs vor drei Jahren mitverantwortlich für ein regelrechtes Einbrechen der Besucherzahlen an der Brücke war. "Wir sind in Gesprächen mit der Betreibergesellschaft, wir gehen von ernsten Absichten aus", sagt Müller auch in Bezug auf in der Vergangenheit gemachten Ankündigungen, mit einem kleineren und mobilen Ballon an der Brücke und anderen vogtländischen Attraktionen wie der Vogtland-Arena wieder aufsteigen zu wollen.
Neuer Gesellschafter steigt ein
Anlass für den neuen Optimismus des Bürgermeisters ist ein Wechsel an der Spitze der Betreiberfirma Göltzschtal-Touristik GmbH (GTG). Auf Andreas Werner, der mit der Idee des mobilen Ballons von sich reden machte, folgte zu Jahresbeginn mit Peter Hufnagel ebenfalls ein Mann aus der Erbmasse des gescheiterten Luftschiffbauers Cargolifter. Müller: "Seitdem werden die noch offenen Grundschulden zurückgezahlt, das hat es vorher nicht gegeben."
Peter Hufnagel, Vorstand der LTA-Technologie AG Wiesbaden als neuem Gesellschafter bei der GTG, bestätigt die neuen Geschäfts-Pläne an der Brücke. "Wir arbeiten an einer Kapitalerhöhung der GTG und sind dran, auch für das Projekt eines Ballons an der Göltzschtalbrücke Gelder einzuwerben", sagt Hufnagel und spricht von einer Verwirklichung der Pläne in zwei Jahren. "Erreichen wir mit garantierten Fixkosteneinnahmen ohne das Fahrgeschäft schneller ein aus kaufmännischer Sicht akzeptables Ergebnis, kommt der Ballon schneller", kündigt der GTG-Geschäftsführer an. Das heißt: Steigen Sponsoren in bestimmten Größenordnungen ein, steigt auch der Ballon auf. Nach dem Ausstieg des Hauptsponsors war damals das Fahrgeschäft Pleite gegangen. Ein Rettungsversuch des Kreises und der drei Anliegerkommunen scheiterte am Veto Mylaus.
Hilfe aus der öffentlichen Hand erwartet die neue GTG nicht. Auch deshalb plant das Unternehmen mit einer kleineren und kostengünstigeren in Russland hergestellten Variante. Ein 18-Meter-Ballon, der nur noch 18 Fahrgäste befördern kann, das allerdings in die bisher an der Brücke erreichten Höhe von 150 Meter sei ähnlich attraktiv wie der alte.
Der Vogtland-Ballon spielt in den Überlegungen der neuen GTG-Riege allerdings nicht die erste Geige. Das Unternehmen, das vom Bundesluftfahrtamt nach wie vor die Zulassung für Ballonfahrten besitzt, geht derzeit in Peenemünde die Umsetzung ehrgeiziger Ziele an, die mit dem Cargolifter-Aus in weite Ferne gerückt schienen. Neben der dort geplanten Installation des Vogtland-Aussichtsballons, dessen Reaktivierung in Dresden gescheitert war, laufen gegenwärtig die Vorbereitungen für den Bau eines Ballonkran-Systems sozusagen an luftfahrthistorischer Stelle im Norden von Usedom, wo einst für militärische Zwecke Raketen entwickelt und gestartet worden waren.
Lastenhub in Peenemünde
"Ein Ballon ist bereits bestellt, im September könnte Baubeginn in Peenemünde sein", sagt Peter Hufnagel. Der vom Boden aus geführte Ballon soll dort in einem touristischen Eldorado mit Millionen von Urlaubern "zu Demonstrationszwecken" Lasten von bis zu zwei Tonnen heben und damit das vor Jahren gescheiterte Cargolifter-Projekt von der Idee und der Tat her fortführen. "Dieser Art der Lastenbewegung gehört die Zukunft, da sind führende Luftfahrtunternehmen wie Lockheed oder Boeing in der Entwicklung vorn dran. Wir waren der Zeit damals vielleicht ein wenig voraus", sagt Hufnagel, einst Aktionärsbeirat der 70.000 Aktionäre starken Cargolifter AG.
Inzwischen hatten frühere Cargolifter-Aktionäre wie Peter Hufnagel und sein GTG-Geschäftsführerpartner Mirko Hörmann die CL CargoLifter GmbH & Co. KG gegründet, die Mitgesellschafter der GTG ist und bei der Hörmann die Geschäfte führt. Die Gesellschaft hat sich die "Vermarktung und Nutzung der Leichter-als-Luft-Technologie für das Heben und Transportieren von Frachten und Gegenständen" auf die Fahne geschrieben und sieht dafür in Peenemünde eine ausgezeichnete Werbeplattform. "Wir können mit den Ballons perspektivisch das machen, was mit Flugzeugen oder Hubschraubern unmöglich ist", sagt Hufnagel. Eine Renaissance der Lastenluftschiffe? Hufnagel: "Sicher, und sicher früher als viele glauben. Denken Sie nur an unwegsames Gelände in Afrika. Unsere ersten Produkte bei Cargolifter damals hatten schon Serienreife. Wir wollen jetzt allerdings nicht gleich wie seinerzeit mit 100-Tonnen-Luftschiffen rangehen, sondern das ganze langsam aufbauen und weiter wachsen."


