Vogtlandbahn hebt Aussperrung auf
Im Konflikt bei der Vogtlandbahn gibt es Zeichen der Entspannung
Auerbach/Neumark. Auerbach/Neumark. Die Vogtlandbahn hat am Dienstagabend das Ende der Aussperrung der bis vorige Woche streikenden Lokführer angekündigt. Wie Geschäftsleiter Hartmut Schnorr sagte, wurde in Gesprächen mit der Gewerkschaft "ein Modus gefunden, der dies ermöglicht". Von heute an sollen ausgesperrte Mitarbeiter angeschrieben und von der neuen Situation informiert werden. Zu Details der Regelung, die faktisch das Ende des derzeitigen Arbeitskampfes bedeutet, wollte sich Schnorr nicht äußern.
Zudem kündigte der Vogtlandbahn-Geschäftsleiter an, dass mit der Rückkehr der Mitarbeiter schrittweise zum Fahrplan zurückgekehrt werden soll. "Wie schnell das gelingt, hängt von verschiedenen Faktoren und von der Bahn ab", sagte Hartmut Schnorr. Anfang nächster Woche sei aber ein realistischer Termin für die Wiederaufnahme des fahrplanmäßigen Betriebs.
Der Tarifstreit hat viel Wut ausgelöst - unter anderem in der Auerbacher Tourismus- und Verkehrszentrale: "Die Reisenden sind wegen der Zugausfälle zum Teil sehr sauer", erklärt Thorsten Müller, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Vogtland (VVV), der die Zentrale betreibt. Der VVV ist zugleich der Vertragspartner der Vogtlandbahn, auf deren Strecken seit 24. Juni wegen des Tarifkonflikts ununterbrochen ein Notfallfahrplan gilt. "Leistungen, die nicht erbracht werden, werden von uns natürlich nicht bezahlt", erklärt Müller. Die Vogtlandbahn habe zahlreiche Trassen abbestellt und könne diese auch nicht umgehend wieder befahren.
Für das Andauern des Tarifkonflikts hatten sich die Vogtlandbahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) gegenseitig den Schwarzen Peter zugeschoben. Die GDL verwies darauf, dass sie den Streik am 13. Juli beendet und damit ihre Verhandlungsbereitschaft demonstriert habe. Doch die Vogtlandbahn habe mit Aussperrungen reagiert, also die Betroffenen nicht zurück an ihre Arbeitsplätze gelassen. "Davon waren willkürlich Kolleginnen und Kollegen betroffen", erklärt die Gewerkschaft. In einem Brief an die Vogtlandbahn haben die verbliebenen Ausgesperrten laut GDL ihrem Arbeitgeber "unmissverständlich" erklärt, dass sie seit Ende des Streiks "ihre Arbeitsleistung uneingeschränkt zur Verfügung stellen". Die Aufrechterhaltung des Notfahrplans sei deshalb "eine Farce".
Die Vogtlandbahn wiederum reagierte mit einem Offenen Brief und begrüßte das Angebot der Arbeitsleistung offiziell. "Unverändert" stehe man zu der Aussage, arbeitswillige Mitarbeiter "mit offenen Armen" zu empfangen. Allerdings durften diese zuletzt erst nach Einzelgesprächen zurück an ihren Arbeitsplatz, was die GDL als mögliche Nötigung wertete. Die Vogtlandbahn forderte die GDL in dem Brief zugleich auf, im Interesse eines Kompromisses zunächst für mindestens zwei Monate auf Streiks zu verzichten.
Dies wiederum wies Frank Nachtigall, der GDL-Bezirksvorsitzende, sofort zurück - er sprach von "Hinhalte-Taktik". Ohnehin seien in Sachen Streik nicht die Vogtlandbahn-Chefs Ansprechpartner der GDL, sondern der Mutterkonzern Netinera: Man wolle nur mit Leuten reden, die etwas entscheiden könnten.



13:41 Uhr
crashy9708: WENN ZWEI SICH STREITEN, ...
... dann freut such der Dritte - eigentlich.
Hier scheint mir, dass wieder einmal ein Tarifkonflikt, der vielleicht überhaupt keiner ist, auf dem Rücken Dritter ausgetragen wird.
Die Vogtland-Region lebt bekanntlich seit der Wende in manchen Teilen mehr vom Tourismus als von der Industrie und das gerade im oberen Vogtland.
Der Tourist wird es nicht gerade wohlwollend aufgenommen haben, dass der ÖPNV via Bahn nur noch eingeschränkt möglich ist.
Genauso wie der ÖPNV via Bus - sind doch seit der Wende haufenweise Buslinien eingestellt worden, sodass selbst Einheimische ohne KFZ an den Wochenenden von der Außenwelt abgeschnitten sind.
Alles meckert über die Umweltbelastungen durch den Schwerlast- und Individualverkehr, aber ein ordentliches Konzept für einen Umstieg auf Bahn und Busse, das scheint auch niemand mehr zu wollen. Lieber werden Millionen an Euro für den Ausbau von Umgehungsstraßen gesteckt, anstatt den ÖPNV für alle Vogtländer und deren Gäste noch attraktiver zu gestalten.
Es ist doch ein Unding, dass an den Wochenenden nicht mal mehr ein Bus von Rodewisch nach Treuen und zurück fährt. (Nur als Beispiel!)
Schlimmer noch ist es für die Rentner, die ihre lebenden oder verstorbenen Angehörigen an den Wochenenden besuchen wollen und im Bendelsteingebiet in AE wohnen.
Dort fährt am WE überhaupt kein ÖPNV oder zu einer Zeit, die einem nur den Kopf schütteln lässt.
Auch Wochentags fahren die Busse mehr leer als voll durch die Gegend.
(So habe ich es während meiner Aufenthalte in AE erlebt.)
Nun frage ich mich, warum der Kraftverkehr mit Bus-Modellen durch die Stadt gondelt, die dem Passagieraufkommen in keiner Weise entsprechen, von den Unterhaltungskosten ganz zu schweigen.
Warum schafft man sich keine Fahrzeuge vom Typ MB Sprinter City (Beispiel) weiter an und fährt damit auch an den WE wenigstens eine Linie zum Bendelsteingebiet.
Meine 83-jährige Mutter würde dies freuen, wenn sie auch am WE an das Grab ihres Ehemannes fahren könnte, ohne dass ein nicht geringer Teil ihrer Rente für ein Taxi draufgehen muss!
Ich kann ihr nicht helfen, da ich selbst hinterm Steuer eines Busses sitze und das nicht in unmittelbarer Nähe meiner schönen vogtländischen Heimat.