Einer von 32 jungen Leuten, die gerade im Vogtland ihre Ausbildung zum Land- beziehungsweise Tierwirt abschließen: Patrick Krahl aus Obermylau. Der 21-Jährige von der Agrargenossenschaft Reichenbach hängt als bester Lehrling nach seinem Zivildienst noch ein Studium ran.
Foto: Kersten Mahler
Vogtlands Landwirte schlagen Alarm
26 Ausbildungsplätzen stehen nur zwölf Bewerbungen gegenüber - Ausbildungsberaterin: Dabei geht es um einen Beruf mit Arbeitsplatzgarantie
Reichenbach.
Reichenbach. Der vogtländischen Landwirtschaft geht der Nachwuchs aus. Wie Vogtlandkreis-Ausbildungsberaterin Margitta Schulze jetzt in Reichenbach sagte, stehen 26 von 18 Landwirtschaftsbetrieben angebotenen Ausbildungsplätzen lediglich zwölf Bewerbungen gegenüber.
"Jetzt schlagen in der Branche die geburtenschwachen Jahrgänge voll durch. Dabei werden die Lehrlinge dringend gebraucht", schlägt die Ausbildungsberaterin Alarm. Aktuell beenden 32 vogtländische Land- und Tierwirte ihre Ausbildung. Der drastische Rückgang führe in den Betrieben dazu, dass teilweise ältere Mitarbeiter noch länger bei der Stange bleiben müssen. Deshalb suchen Betriebe wie die Agrargenossenschaft Reichenbach, die Marienhöher Milchproduktion in Waldkirchen und die Agrofarm 2000 Eichigt händeringend Nachwuchs.
Um die Zahl der Ausbildungsverträge zu erhöhen, bietet die vogtländische Landwirtschaft möglichen Bewerbern den Einstieg in die Anfang August beginnende Ausbildung sogar noch bis in den September an. "Es kann ja sein, dass sich der eine oder die andere noch umorientiert", hofft Margitta Schulze. Da derzeit ausschließlich männliche Bewerber einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben, bricht sie eine Lanze für Frauen in der Land- beziehungsweise Tierwirtschaft.
"Wir haben unter anderem zwei Angebote für die Ausbildung zum Tierwirt, Spezialisierungsrichtung Geflügel. Wie bei vielen Betrieben ist bei guten Leistungen in der Ausbildung damit fast schon eine Arbeitsplatzgarantie gegeben, gerade in der Tierproduktion ist der Bedarf an neuen Fachkräften groß", verspricht Margitta Schulze gute Perspektiven in der vogtländischen Landwirtschaft.
Zu den jungen Leuten, die jetzt nach erfolgreicher Ausbildung am Reichenbacher Berufsschulzentrum mit Bravour den praktisch-theoretischen Teil der so genannten Fertigkeitsprüfung in ihren Betrieben gemeistert haben, gehört Patrick Krahl aus Obermylau. Mit Chris Puchta vom Reichenbacher Landwirtschaftsbetrieb Mittenzwei legte er bei der Prüfung in der Reichenbacher Agrargenossenschaft am Freitag ein super Ergebnis hin. Beide wiesen mit erreichten 90 beziehungsweise 95 von möglichen 100 Punkten nach, dass die Branche völlig zu unrecht mit Image-Problemen zu kämpfen hat, wie die Ausbildungsberaterin betont.
Von korrektem Bedienen und Einstellen einer modernen Drillmaschine über anwendungsbereites Wissen zum Getreideanbau generell und im Betrieb bis hin zum großen Einmaleins von Futterkulturen, Standortbedingungen, Pflanzenerkennung und dem richtigen Erntezeitpunkt reichte die Palette der Prüfungskomplexe. Patrick Krahl: "Landwirtschaft, da gibt es leider noch falsche Vorstellungen. Heute ist das Umgang mit modernster Technik und Handarbeit. Moderne Landwirtschaft, das ist auch Landschaftspflege. Stellen Sie sich mal vor, es gäbe sie nicht mehr."


