Kabarettist Bernd-Lutz Lange.Foto: Agentur
Bernd-Lutz Lange plant Bühnen-Abschied
Kabarettist im Interview: Zweites Programm mit Partnerin Katrin Weber wird sein letztes
Zwickau. Im praktisch ausverkauften Haus der Sparkasse stellt der Leipziger Kabarettist und Buchautor Bernd-Lutz Lange am Freitag sein Buch "Das Leben ist ein Purzelbaum - Von der Heiterkeit des Seins" vor. Torsten Kohlschein unterhielt sich mit dem Künstler.
Freie Presse: Herr Lange, am Freitag stellen Sie Ihr neues Buch "Das Leben ist ein Purzelbaum" in Zwickau vor. Auf den ersten Blick eher etwas für Leipziger...
Bernd-Lutz Lange: Das wäre wirklich nur der allererste Blick. Aber das spielt überhaupt keine Rolle, wenn es um Leute wie Erich Kästner geht, um Joachim Ringelnatz, Gustav Mahler, Mozart - es ist einfach ein Anekdotenfundus von der Reformation bis in die Gegenwart mit sehr prominenten Leuten. Die Geschichten stehen für sich. Leider ist die Anekdote eine stark vernachlässigte Form geworden in den letzten Jahrzehnten.
Aber alles, was Sie aufgeschrieben haben, haben Sie ja auch nicht selbst erlebt...
Im Gegensatz zu Herrn Guttenberg habe ich ans Ende meines Buches ein klar ausgewiesenes Quellenverzeichnis gesetzt. Ich habe zahlreiche von meinen Büchern durchgesehen, viele Biografien, Zeitungen, Zeitschriften und habe auch meine persönliche Anekdotenmappe geplündert, in der ich hin und wieder etwas Notiertes ablege. Ich habe mich vorher auch noch mit vielen Leuten unterhalten, die mir Geschichten erzählten, die ich jetzt in dem Buch untergebracht sind. So ist das Buch zustande gekommen. Ich bin froh, dass der Verlag meinem Wunsch nachgekommen ist, den Illustrator Egbert Herfurth, den ich seit 40 Jahren kenne, zu dem Buchprojekt dazu zu holen.
Die Lesung in Zwickau ist fast ausverkauft - wie erklären Sie das innige Verhältnis der Zwickauer zu Ihnen, obwohl Sie seit 47 Jahren nicht mehr in der Stadt leben?
Meine Kindheit und Jugend war ein wunderbarer Abschnitt in meinem Leben. Die Freundschaften, die sich in Zwickau ergeben haben - das ist nie abgerissen. Meinen ältesten Freund, Rudi Kleinstück, kenne ich seit 1953. Es gibt kein Jahr, in dem wir uns nicht mindestens einmal sehen. Der große Freundeskreis, der sich früher im Theatercafé, im alten "Buschbeck" getroffen hat - der hat bis heute gehalten. Und meine Freunde sitzen natürlich am Freitag auch wieder mit im Saal.
Was planen Sie nächstes Jahr in Zwickau?
Am 1. Mai geben meine Bühnenpartnerin Katrin Weber und ich in der "Neuen Welt" eine Vorstellung unseres Bühnenprogramms "Ganz persönlich". Das ist mein letztes Kabarettprogramm. Ich werde dann nichts Neues mehr machen. Der eigentliche Abschied ist dann 2014. Da werde ich 70, wenn ich gesund bleibe. Aber die Buchlesungen, die bleiben natürlich. Und zweimal bin ich im nächsten Oktober in der Waldschänke bei Königswalde. Zudem plane ich mit meinem Kollegen Tom Pauls ein Buchprojekt: "Unsere Lieblingsplätze in Sachsen". Auch dafür komme ich nach Zwickau.
Was wollen Sie hier in Zwickau als Ihre Lieblingsorte vorstellen?
Das verrate ich noch nicht!
Ein ernsteres Thema: Wie haben Sie die Enthüllungen der vergangenen Wochen über Zwickau als Terroristen-Unterschlupf erlebt?
Mir tut es unendlich leid, in welches Licht die Stadt jetzt plötzlich gerät, ohne etwas dafür zu können. Ich bin dem Thema ja auch insofern verbunden, als ich mich in einem Buch eingehend mit der Geschichte der Leipziger Juden beschäftigt habe und weiß, wie verheerend der Nazismus sich auf diese Menschen ausgewirkt hat. Da ich viele Schicksale aus persönlichen Gesprächen kenne, nicht nur aus Büchern, hat der Antifaschismus für mich besonderen Stellenwert. Ich frage mich auch: Was denken die Franzosen, die Polen, die Israelis angesichts dessen, was jetzt aufgedeckt worden ist? Das gibt ein verheerendes Bild von ganz Deutschland ab. Ich habe die Demo am Freitag zur Kenntnis genommen -- man kann einfach nur wünschen, dass das Ganze lückenlos aufgearbeitet und nichts unter den Tisch gekehrt wird.
Service
Bernd-Lutz Lange liest am Donnerstag, 19.30 Uhr im Haus der Sparkasse Zwickau, Crimmitschauer Straße 2, aus seinem Buch "Das Leben ist ein Purzelbaum" (384 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 3351027370).
Restkarten gibt es bei der Buchhandlung Marx, Dr.-Friedrichs-Ring 23, und an der Abendkasse.


