Steve Mühlmann fertigt an einem CNC-Bearbeitungszentrum Klemmschalen für Punktschweißelektroden.
Foto: Wiegand Sturm
Firma bekommt Krise zu spüren
Mechanik-Blum beliefert Automobilindustrie - Zurzeit Kurzarbeit angesagt - Betrieb setzt auf Flexibilität
Glauchau. Glauchau. Lange liefen die Geschäfte gut bei Mechanik-Blum. Die kleine Firma liefert unter anderem Punktschweißelektroden für Roboter bei VW Sachsen. "Durch die Nähe zu Mosel haben wir einen direkten Draht in das Unternehmen, können schnell reagieren. Unser Vorteil ist die Flexibilität. Wir fertigen Einzelteile und Kleinserien bis maximal 100 Stück. Auch für Wolfsburg und Emden arbeiten wir", sagt Manuela Blum-Mohr, die Inhaberin der Firma. "Für BMW und Daimler liefern wir ebenfalls, allerdings über Händler."
Über Jahre war die Produktion für die Anlagen der Automobilbauer ein sicheres Standbein. Die gute Auftragslage sorgte dafür, dass die Firma wuchs und aus dem Audörfel in Reinholdshain ins Gewerbegebiet Nordwest an die Siemensstraße zog. Dort stehen neben Werkzeugmaschinen aus DDR-Zeiten hochmoderne CNC-Maschinen. Etwa eine halbe Million Euro ist in den vergangenen Jahren in das Unternehmen gesteckt worden.
"Gegenwärtig bekommen wir als Zulieferer die Krise der Automobilindustrie zu spüren", berichtet die Inhaberin. "Der Umsatz ist von 555.000 Euro 2008 auf 350.000 Euro im Vorjahr zurückgegangen. Mit Kurzarbeit versuche ich, die sechs Beschäftigten über die Krise zu retten, hoffe, dass es bald wieder aufwärtsgeht und ich den Lehrling, der bei uns zum Zerspaner ausgebildet wird, übernehmen kann."
Zur Produktionspalette von Mechanik-Blum gehören auch Doppelmembranpumpen, die sich für aggressive Flüssigkeiten eignen, genau wie kleine Vakuumerzeuger, die beispielsweise an Robotern eingesetzt werden, die Scheiben aufnehmen. Außerdem wird der Maschinenpark genutzt, um für die Kunden individuelle Kleinteile nach Zeichnung oder Muster zu fertigen.
Ein weiteres Standbein ist die Produktion von so genannten Schieberbestecken. "Das sind besonders große Schraubenschlüssel, mit deren Hilfe Rohre verbunden und wieder geöffnet werden können", erläutert Manuela Blum-Mohr. "Wir fertigen 50 verschiedene Größen. Geliefert werden sie an Stadtwerke bis nach Rostock und Wasser- sowie Abwasserbetriebe, auch an die Erdgas Südsachsen."
Um sich über Wasser zu halten, nutzt die kleine Firma ihre Schweißabteilung und fertigt Toren, Zäune und Balkongeländer für Privatleute "Aber viel ist das nicht. Schließlich halten die Menschen in Krisenzeiten ihr Geld besonders zusammen", schätzt die Chefin ein, die den Betrieb in der dritten Generation leitet. Gegründet worden ist er 1932 von Großvater Josef Blum als Fahrrad- und Motorradreparaturwerkstatt an der Lindenstraße 38. 1960 übernahm Vater Alfred Blum die Firma, die damals unter anderem mechanische Kleinteile für das Fahrzeuggetriebewerk fertigte.
"Nach der Wende brachen die Aufträge weg. Mein Vater ist in den Westen gefahren, hat Klinken geputzt, um neue zu bekommen", sagt Manuela Blum-Mohr. "Die nächste Bewährungsprobe war dann das Hochwasser 2002, als unsere in Reinholdshain nach der Wende gebaute Werkhalle unter Wasser stand. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch die gegenwärtig schwierige Wirtschaftslage überstehen."


