Wohin mit Carmen? Weil die blinde Ursula Roßbach niemanden für ihren Führhund hat, darf der neben dem Krankenbett schlafen.
Foto: Ellen Liebner
Hund begleitet Glauchauerin in Klinik
Treue Begleiterin Carmen darf mit ins Krankenhaus
Glauchau. Hündin Carmen ist derzeit die außergewöhnlichste Therapie im Helios Vogtland-Klinikum in Plauen. Die Schäferhündin liegt im Krankenhaus, damit Frauchen Ursula Roßbach aus Glauchau wieder auf die Beine kommt. Die 58-Jährige ist blind und ohne Carmen aufgeschmissen. Sie hätte lieber auf die Krankenhaus-Behandlung verzichtet, als ihren Hund für diese Zeit ins Tierheim zu geben. Doch das wollte die Ärztin nicht, die sie in ihrer Heimatstadt Glauchau behandelt.
Sie schickte beide ins Vogtland. "Ich war überrascht, dass so etwas geht", sagt Ursula Roßbach. Dabei sieht die Chefetage des Plauener Krankenhauses nichts, was gegen Stationshunde spricht. Nach den Worten von Frank Hendrich, Chefarzt des Zentrums für Anästhesie und Schmerztherapie, gibt es auf den meisten Stationen keine Bedenken. Auch die Hygiene-Chefin fand keinen Grund, Carmen von Frauchen zu trennen.
Hund soll Ausnahme bleiben
Eine Ausnahme soll die Schäferhündin trotzdem bleiben. "Es ist ein spezieller Fall, auf den wir reagiert haben", sagt Hendrich. Zum Schutz anderer Patienten sind Hunde in den meisten Kliniken tabu. Das unzertrennliche Duo aus Glauchau ist auf der Palliativstation im Einzelzimmer untergebracht, damit sich niemand an ihm stört. Auf der Station abseits der Neubauten werden eigentlich unheilbar Kranke behandelt. Ursula Roßbach leidet unter Schmerzen in der Halswirbelsäule und gehört dort zum Glück nicht hin. Doch ihr ist egal, wo sie während der Schmerztherapie schläft. Hauptsache Carmen muss nicht ins Heim. Die Umstellung will sie dem fast zwölf Jahre alten Tier nicht zumuten.
Reisebett ist im Gepäck
Ursula Roßbach liegt nicht zum ersten Mal im Krankenhaus. Ihre Mutter, die früher auf den Blindenhund aufpasste, ist allerdings verstorben. Da die Frau allein lebt, hat sie niemanden für das Tier. Carmen hat ihr "Reisebett" mit im Krankenhaus: eine graue Wolldecke. Die liegt neben Frauchens Bett. Während der Behandlungen wartet der Hund dort, und bei der Physiotherapie darf er zuschauen.
Nicht jeder auf Station ist so angetan von dem tierischen Gast wie Chefarzt Frank Hendrich, der selbst zwei Katzen besitzt. Eine Schwester hatte Bedenken, da sie früher vom Hund gebissen wurde. Doch auch die Krankenschwestern haben etwas von Carmen, davon ist die 58-Jährige überzeugt. Die Blinde kann ohne Pfleger auf dem Gelände spazieren gehen. Und frische Luft ist auch Medizin.


