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Martin Böttger - Vorsitzender des Martin-Luther-King-Zentrums in Werdau

Foto: PF

"Man kann nur auf die Menschen zugehen"

Martin Böttger vom Martin-Luther-King-Zentrum über Clausnitz und den Umgang mit Asylkritikern

erschienen am 26.02.2016

Zwickau. Nach den Ereignissen in Clausnitz fragt ganz Deutschland: Warum Sachsen? Christian Meyer sprach darüber mit Martin Böttger, Bürgerrechtler und Stadtrat von Bündnis 90/Die Grünen in Zwickau. Der macht einen Vorschlag, wie Behörden auf solche Fälle reagieren können.

Freie Presse: Müssen wir Vorfälle wie in Clausnitz oder vor Wochen am Bahnhof in Meerane hier bei uns öfter befürchten?

Martin Böttger: Unser Landkreis steht sicher nicht an der Spitze der fremdenfeindlichen Bewegung. Leider hat Sachsen aber eine Spitzenposition bei Ausschreitungen. Heidenau, Freital, Bautzen - auch bei uns gab es das: der Brandanschlag im November in Crimmitschau, die Bombenattrappe in einem Zwickauer Baumarkt. Da frage ich mich schon, warum immer wieder Sachsen?

Haben Sie eine Erklärung?

Vielleicht hat es etwas mit der DDR-Vergangenheit zu tun. Sachsen ist eher Auswanderungs- als Einwanderungsland. Die Leute sind es nicht gewöhnt, mit Fremden zu leben. Aber das ist nur ein Grund. Ein anderer betrifft Versäumnisse sächsischer Politik, angefangen bei Kurt Biedenkopf, der behauptete, die Sachsen seien immun gegen Rechtsextremismus. Es wurden Sonderkommissionen bei der Polizei gebildet, zivilgesellschaftliche Initiativen aber wenig unterstützt. Ich erinnere an die ehemalige Demokratie-Erklärung. Vereine, die gefördert werden wollten - auch wir -, mussten unterschreiben, dass man auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Sachsen ist davon als letztes Land abgerückt. Das zeigt: Man hält Linksextremismus für ein ebenso großes Problem wie Rechtsextremismus.

Das Vorgehen der Polizei in Clausnitz wurde kritisiert. Was gab es für Alternativen?

Für die Zukunft sollte Folgendes gelten: Man hätte den Bus in einen anderen Ort ein paar Kilometer weiter bringen müssen. Vielleicht in ein Rathaus, wo man die Flüchtlinge mit Kaffee und Imbiss hätte versorgen können - unter Begleitung der Polizei. So ist Zeit gewonnen, in der man vor der Unterkunft den Weg frei bekommt - in letzter Konsequenz mit einer Räumung. Es handelte sich schließlich um eine Ordnungswidrigkeit, wahrscheinlich sogar um eine Straftat.

Zum Sternmarsch am vergangenen Wochenende in Zwickau kamen 3000 asylkritische Protestierer, auf der Gegenseite nur 160. Spiegelt das die gesellschaftlichen Verhältnisse wider?

Nein, das denke ich nicht. Im Bündnis für Demokratie und Toleranz, das ein breites Spektrum an Parteien, Vereinen und Gewerkschaften bündelt, haben wir auch eine Gegendemo diskutiert, uns dann aber dafür entschieden, dass das jeder für sich machen soll. 3000 Leute für eine Stunde auf der Straße - das sind 3000 Stunden, in denen man Flüchtlingen helfen kann. Dennoch gab es schöne Aktionen wie die Kreidezeichnungen auf dem Markt. Die 160 zu 3000 spiegeln nicht reale Verhältnisse, da sieht es günstiger aus.

Wie kann man Gewalt gegenüber Minderheiten und An- dersdenkenden begegnen?

Im King-Zentrum veranstalteten wir im Januar ein Gespräch mit Muslimen, bei dem auch kritische Fragen gestellt wurden. Wenn man auf Augenhöhe miteinander spricht, schmeißt man sich keine Dinge an den Kopf.

Was macht man mit denen, die den Dialog eingestellt haben?

Das weiß ich auch nicht. Man kann nur auf die Menschen zugehen. Ich war am Rande des Sternmarsches mit einem Plakat, auf dem stand: Flucht ist kein Spaziergang. Viele haben mich beschimpft. Ich wollte eine Botschaft mitgeben, mit ein paar Leuten ins Gespräch kommen. Es kam aber keiner zu mir.

 
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"Man kann nur auf die Menschen zugehen"
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