Retter lernen Drehleiter kennen
Sanitäter und Notärzte rüsten sich für Ernstfall - Neues Einsatzfahrzeug der Wehr hilft in schwierigen Situationen
Glauchau. Glauchau. Rettungssanitäter und Notärzte haben sich begeistert gezeigt, als die Glauchauer Feuerwehrleute ihnen ihre neue Drehleiter vorführten. Das Staunen in den Gesichtern der Rettungskräfte war am Donnerstagabend zum Training schon zu sehen, als Jens Bergner, stellvertretender Zugführer der Glauchauer Wehr, sagte, dass die Leiter 30 Meter weit ausgefahren werden kann - und das nicht nur nach oben, sondern auch nach unten und waagerecht.
Ziel der ersten Übung mit der neuen Leiter, die im Dezember 2009 offiziell in Dienst gestellt wurde, war, deren Möglichkeiten kennen zu lernen. Denn Sanitäter und Notärzte kommen zuweilen in die Situation, Verletzte versorgen zu müssen, die anschließend nur auf komplizierte Weise transportiert werden können - etwa wenn sie in Dachgeschossen liegen, die nur über schmale Treppen erreichbar sind. Oder auch dann, wenn sie so korpulent sind, dass der althergebrachte Transport auf der Trage riskant erscheint.
Leiter hievt Arbeiter aus Grube
Erst einmal kam laut Bergner die neue Drehleiter bisher zum Einsatz, als ein Verletzter geborgen werden musste. Das war im März auf der Oberen Muldenstraße. Ein Arbeiter lag verletzt in der Baugrube. Mithilfe der Leiter konnte er hinaufgezogen werden. Im Januar 2007 gab es in Meerane einen ähnlichen Fall. Dort musste die Drehleiter der Meeraner Wehr ausrücken, um eine kranke Frau aus dem ersten Stock eines Wohnhauses zu bergen. Die Treppe war für die Krankentrage zu eng. "Sie müssen in solchen Situationen selbst entscheiden, ob sie die Drehleiter anfordern oder nicht", erklärte Bergner den Ärzten.
Nach der theoretischen Einweisung setzte Maschinist Tobias Wirth die Drehleiter in Gang. Während die Rettungssanitäter und der Notarzt den Treppenturm am Feuerwehrgerätehaus hinauf eilten, um zum Verletzten zu gelangen, montierten Feuerwehrleute die Schleifkorbtrage auf den Rettungskorb. Dann wurde die Leiter ausgefahren und an die richtige Stelle postiert. "Der Patient, der per Leiter geborgen werden soll, muss zuvor in einen stabilen Zustand gebracht worden sein", sagte Jens Bergner. Das sei wichtig, um ihn sicher hinunter befördern zu können. Bis zu 270 Kilogramm kann der Korb tragen. Ein Feuerwehrmann mit Ausrüstung ist immer dabei. "Sanitäter oder der Notarzt werden nur in den seltensten Fällen im Korb transportiert", sagt Bergner.
Stange bohrt sich durch Brust
Damit jeder der etwa 30 Rettungskräfte des DRK-Kreisverbandes Glauchau die Drehleiter kennen lernen können, wurde in zwei Gruppen trainiert. Die andere Gruppe hatte dabei eine schwierige Aufgabe zu lösen. Im Wagenwaschraum des Gerätehauses wurde ein Autounfall simuliert.
Der Fahrer hatte beim Aufprall eine Eisenstange durch die Frontscheibe in die Brust bekommen. Rettungskräfte und Feuerwehrleute mussten versuchen, den Mann möglichst schonend zu versorgen und zu bergen. "So etwas hatten wir in Wirklichkeit noch nicht", sagte der stellvertretende Wehrleiter Mike Wunderlich.


