Frank Güthlein, Geschäftsführer des Trägervereins Europäisches Gymnasium Waldenburg, hat Pläne für die Mehring-Mittelschule. Foto: W. Sturm
Staatliche Schule gerät zum Auslaufmodell
Trägerverein des Europäischen Gymnasiums will Einrichtung privat betreiben
Waldenburg. Waldenburg. Die Franz-Mehring-Mittelschule entwickelt sich zum Auslaufmodell. Für das kommende Schuljahr liegen nur acht Anmeldungen von Fünftklässlern vor. Diese Zahl hat die Bildungsagentur mitgeteilt. Damit steht fest: In der Töpferstadt wird es wohl keine neue fünfte Klasse geben. Den Kindern bleibt damit nur der Weg an die staatlichen Schulen in Glauchau oder Meerane. "Wir hatten mit dieser Entwicklung gerechnet, weil immer mehr Bildungsempfehlungen fürs Gymnasium ausgestellt werden", kommentiert der Waldenburger Bürgermeister Bernd Pohlers (parteilos) die Anmeldezahlen.
Damit gehen auch die Gesamtschülerzahlen in der Einrichtung an der Jahnstraße weiter zurück. Schulleiter Norbert Chmiel prophezeit, dass im kommenden Schuljahr noch rund 80 Mädchen und Jungen an der Mittelschule lernen werden. Dabei gibt es zwei neunte Klassen. Dazu kommen eine achte und eine siebente Klasse. Bleiben die Türen bei dieser Mini-Besetzung überhaupt noch geöffnet? Lutz Steinert, Pressesprecher der Bildungsagentur, will einer Entscheidung nicht vorgreifen. "Bei ähnlichen Fällen in anderen Orten haben wir mit vier Klassen weitergemacht. Aber: Die Kommune muss diesen Schritt mittragen und die Räume zur Verfügung stellen", spielt Steinert den Ball zu Bürgermeister Bernd Pohlers. "Die Schule bleibt so lange auf, wie es erforderlich ist. Wir lassen uns nicht den schwarzen Peter vom Freistaat zuschieben", so der Stadtchef. In den vergangenen Jahren hatte sich die Talfahrt für die Franz-Mehring-Mittelschule bereits angedeutet. Der Einrichtung ist es kaum gelungen, dass Kinder aus umliegenden Orten in die Töpferstadt kommen. Deshalb hatte Waldenburg die Investitionen in neue Rettungstreppen auf Eis gelegt.
Eine Alternative für die Eltern der Fünftklässler möchte der Trägerverein des Europäischen Gymnasiums in Waldenburg anbieten. Geschäftsführer Frank Güthlein hegt Überlegungen, die Einrichtung als private Mittelschule zu betreiben. Für das kommende Schuljahr würde es Interesse von rund 15 Schülern geben. Aber: Bisher hat der Trägerverein die Genehmigung für die Europäische Mittelschule mit Berufsorientierung noch nicht auf dem Tisch liegen. Die Bildungsagentur prüft den Sachverhalt derzeit. "Wir rechnen Mitte/Ende April mit einer Entscheidung", hieß es am Mittwoch aus der Pressestelle der Bildungsagentur in Chemnitz. Erst seit dem 28. Januar würden alle Unterlagen in der Behörde vorliegen. Falls die Bildungsagentur grünes Licht gibt, steht der Trägerverein vor einer finanziellen Herausforderung. "Wir erhalten die ersten drei Jahre keine Zuschüsse und müssten Personalkosten von rund 300.000 Euro selbst finanzieren", rechnet Güthlein vor.


