Jürgen Ilge und Frau Marita machen es sich in der Küche der Turmwohnung gemütlich.
Foto: Uwe Meyer
Turmbesteigung folgt Zeitreise in die 60er-Jahre
Ehemaliger Bewohner der Türmerwohnung ist von neu eingerichtetem Museum begeistert
Glauchau. Glauchau. Von der jetzt neu eingerichteten Wohnung als kleines Museum im Bismarckturm ist Jürgen Ilge beeindruckt. Zwar gibt es keine originalen Möbel und Einrichtungsgegenstände mehr, aber das, was in Haushaltsauflösungen zusammen getragen und aufgemöbelt wurde, kommt der ursprünglichen Einrichtung recht nahe. Jürgen Ilge muss es wissen. Er wohnte von 1957 bis 1972 im Bismarckturm. "Das habt ihr hier sehr gut hinbekommen", sagt er, ein Träne unterdrückend.
Gemeinsam mit seiner Frau Marita hat er Gelegenheit, als erster die Wohnung zu besichtigen. "So eine Couch hatten wir auch", sagt Ilge mit Blick ins Wohnzimmer, "und hier stand das Klavier", deutet er auf die rechte Wand. Neben dem Wohnzimmer sind auch die Küche und das Schlafzimmer im Stil der 1950er- und 1960er- Jahre eingerichtet worden. Zur Wohnung gehören noch Kinderzimmer und Abstellkammer. Nicht mehr erhalten geblieben ist das selbst eingebaute Bad, eine Etage höher.
Die Wohnung, die die Familie damals in Niederlungwitz hatte, war viel zu klein. Vater Ilge war bei den Wasserwerken beschäftigt und bezog 1957 die Betriebswohnung im Bismarckturm. Zur Pestalozzischule ist Ilge als Junge - er war fünf Jahre als die Familie in den Turm zog - mit dem Fahrrad gefahren oder bei schlechtem Wetter gelaufen. Seine Schulkameraden fanden es interessant, dass ihr Freund im Bismarckturm wohnte, entsprechend oft waren die Mitschüler bei Ilge zu Gast - auch seine spätere Frau Marita. "Damals wollte ich von ihr noch nichts wissen, das kam erst später", sagt Ilge. Von 1972 bis 2010 stand die Wohnung leer. Im Frühjahr begannen die Umbauarbeiten.


