Wer vom Wunderlichpark zum Wohngebiet Schmiederstraße möchte, braucht einen Schlüssel. Annett Stephan hat zwar einen, muss mit dem Kinderwagen aber an der Seite entlang rutschen.
Foto: Wiegand Sturm
Wanderweg endet am verschlossenen Tor
Spaziergänger ärgern sich über Wilhelm-Wunderlich-Park
Meerane. Ein asphaltierter Weg durch den Wilhelm-Wunderlich-Park endet für manchen Meeraner in einer Sackgasse. Vor dem Wohngebiet Schmiederstraße ist ein Zaun gezogen, das Tor darin verschlossen. Und keiner hat den Schlüssel, ärgerte sich ein Meeraner in der jüngsten Bürgerversammlung.
Doppelt ärgerlich für Spaziergänger und Passanten: Wochenlang war der Ausweichweg unpassierbar. Der Sturzregen im Juli hatte die Verbindung zum Rotdornweg total ausgespült. Die wurde Ende September wieder hergestellt. Laut Heike Hönsch, Sprecherin der Stadtverwaltung, ist auf einer Länge von 120 Metern eine wasserdurchlässige Schicht aufgebracht worden.
Der Schlüssel für das Tor am Ende des asphaltierten Weges haben nur jene, die in der Siedlung mit den Eigentumswohnungen leben.
Laut Matthias Merkel, Hausmeister der Anlage, wurde der Zaun vor Jahren errichtet. "Es war Wunsch der Anwohner", sagt er. Die ärgerten sich über lärmende Schulklassen, die zum Sportplatz durch die Siedlung zogen. Zudem landete Müll in Ecken, wo er nicht hingehörte. So kamen Zaun und Tor. "Von oben ist die Anlage offen", sagt Merkel. Wer spazieren gehen möchte, kann über die Schmiederstraße in die Siedlung hinein. "Da hat auch niemand etwas dagegen", sagt der Hausmeister.
Ingrid Findeisen besitzt einen Schlüssel zum Tor. Doch privilegiert fühlt sie sich deswegen nicht. Seit zweieinhalb Jahren wohnt sie mit ihrem Mann in dem Viertel. Der ist auf den Rollstuhl angewiesen. "Zum Einkaufsmarkt oder auch zur Bushaltestelle muss ich durch den Park", sagt die Meeranerin. Nach dem Tor aber führen zwei steile Stufen hinab. Wer mit Kinderwagen, Rollstuhl, Rad, Rollator dort entlang muss, weicht auf den durch Regen und Laub aufgeweichten Erdboden daneben aus. Wochenlang konnte sie keinen der Wege nutzen. "In jüngster Zeit hat sich viel getan in unserem Viertel", sagt Ingrid Findeisen. Die Hecken sind geschnitten, Unkraut ist verschwunden, der ausgespülte Weg gebaut. Nur müsste der asphaltierte Weg hinterm Zaun auch richtig angebunden werden, sagt sie. Hausverwalter Detlef Winter zeigt sich gesprächsbereit, so lange die Kosten im Rahmen bleiben. "Man müsste klären, auf welchem Grundstück die Stufen sind", sagt er.
Auch eine Öffnung des Tores hält er für möglich, obgleich ihm dieser Wunsch noch nie zu Ohren gekommen sei. Bislang sieht er versicherungstechnische Probleme. Aber wenn die Stadt den Weg öffentlich machen will, sollte man sich zusammensetzen. "Ich bin da offen." Das Grundstück gehöre den 120 Wohnungseigentümern. Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) sagte bei der Bürgerversammlung: "Wir sind da wirklich dran, das Tor zu öffnen."


