Auf dem ehemaligen Meeraner Betriebsgelände der Textilfirma Drews hatte sich Zirkuschef Harry Weisheit ein Winterquartier erhofft. Jetzt deuten die Zeichen auf Auszug. 
Auf dem ehemaligen Meeraner Betriebsgelände der Textilfirma Drews hatte sich Zirkuschef Harry Weisheit ein Winterquartier erhofft. Jetzt deuten die Zeichen auf Auszug.

Foto: Wiegand Sturm

Zirkustiere bleiben in Meerane

Zirkus Afrika hat in Lagerhalle Winterquartier aufgeschlagen - Unrechtmäßig, sagt die Stadt

Meerane. Ghandi und seine drei Elefanten-Freunde stehen bei dem eisigen Wind am Nachmittag auf ihrem Stroh in der geschützten Lagerhalle in Meerane im Landkreis Zwickau. Kalte Füße müssen sie dank des Notstromaggregats nicht fürchten. Zirkuschef Harry Weisheit hat dagegen kalte Füße bekommen. Die Stadt habe eine hohe Geldstrafe angedroht, wenn er nicht bis 10 Uhr das Gelände verlässt, berichtet er.

Ob das stimmt, will im Rathaus mit Verweis auf das laufende Verwaltungsverfahren niemand sagen. Weisheit zog am Dienstag jedenfalls die Notbremse: Etliche Zirkuswagen verließen die alte Textilfabrik Drews, in der sich der Zirkus ein Winterquartier erhofft hatte. Sie kämen in Crimmitschau vorerst bei einem Freund unter, sagt er. Tiere und Mitarbeiter bleiben jedoch vorerst weiter in Meerane.

Schlechter Ruf in der Branche

Doch dafür fehlt dem Zirkus Afrika nach wie vor ein gültiger Mietvertrag. Das Rathaus mahnt zudem einen fehlenden Bau- und Nutzungsänderungsantrag an und droht deshalb, das Gelände räumen zu lassen. In einem Schreiben vom 5. Dezember ist von 2500 Euro die Rede, die für Einfangen und Abtransport in Rechnung gestellt werden, nicht von 10.000 Euro, wie Weisheit am Telefon aus dem Rathaus gehört haben will.

Ghandi gegenüber beäugen vier Zebras und zehn große Pferde das Rein und Raus der Zirkusmitarbeiter. "Zehn Ponys haben wir auch noch, acht Kamele und sieben Hunde", zählt Weisheit die vierbeinigen Showmitglieder auf. Wo er mit ihnen hin soll, wenn ihn die Stadt Meerane aus der ehemaligen Textilfabrik verweist, weiß er nicht. Doch an dem Problem ist Weisheit nicht ganz schuldlos. So war in dem Mietvertrag ursprünglich von den Elefanten keine Rede. Außerdem trägt der Vertrag nur eine Unterschrift, die von Harry Weisheit.

Solche eigenartigen Geschäftsgebaren überraschen Dirk Kuik, Sprecher der europäischen Zirkus-Vereinigung (European Circus Association) nicht. "Der Zirkus Afrika ist in der Branche für seine sich Jahr für Jahr wiederholenden Probleme bekannt", sagte er gegenüber "Freie Presse". Insgesamt gebe es in Deutschland zwischen 300 und 400 kleine Familienzirkusse. Die seriösen hätten ein festes Winterquartier. Einige arbeiten zum Beispiel mit Schulen zusammen und studieren mit den Kindern Programme ein. Andere haben feste Verträge mit Möbelhäusern, auf deren Flächen sie dann überwintern können. Es gebe aber auch schwarze Schafe, die die gesamte Branche in Misskredit bringen. "Dazu zähle ich den Zirkus Afrika", sagt Kuik. Es sei bekannt, dass gerade die Truppe um Harry Weisheit jedes Jahr aufs Neue eine Bleibe für den Winter sucht und dabei den Kommunen, die es trifft, Probleme bereitet. Dieses Jahr ist Meerane dran.

Demonstration geplant

Noch hofft Weisheit, hierbleiben zu dürfen. Er setzt dabei auf das Oberverwaltungsgericht Bautzen, wo er laut eigener Aussage Beschwerde gegen das Chemnitzer Urteil eingelegt hat. Das hatte der Stadt Meerane Recht gegeben und dem Zirkus das Überwintern in dem Areal am Rande des Gewerbegebietes untersagt. Ernst Fricke, Weisheits Rechtsanwalt, ist jedoch der Meinung, wenn einer den Zirkus herausklagen könnte, dann nur der Eigentümer, nicht die Stadt. Deshalb die Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht. Doch dort ist laut Sprecher Peter Kober noch gar kein Schreiben eingegangen.

Am Mittwoch, 15 Uhr, plant der Zirkus eine Demonstration auf dem Meeraner Markt. Angemeldet ist die jedoch nicht, sagte Bernd Gersdorf, Beigeordneter im Landratsamt. Genehmigt würde sie auch nicht, denn die Anmeldung hätte mindestens 48 Stunden vorher erfolgen müssen.

 
erschienen am 13.12.2011 ( Von Uta Pasler Und Jana Klameth )
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 13.12.2011
    21:47 Uhr

    kritischergeist: Dieser Mummenschanz beginnt lächerlich zu werden. Die Peta schimpft über die Haltungsbedingungen. Die Elefanten würden die ganze Zeit auf blanken Beton stehen, hätten keinen Auslauf. Zeitgleich kritisiert die Stadt Meerane, dass die Abgrenzungen des Auslauf unsicher seien. Dennoch nimmt man gern die Stellungnahme, welche offensichtlich unrichtig ist, gern auf die eigene Homepage und zeigt mit dem Finger auf die nächste Behörde. Aber da das an Unsinn nicht reicht dreht man dem durch Strom gesicherten Auslauf selbigen ab.
    Aber die Stadt Meerane hat ja noch mehr Joker im Ärmel. Man versucht das Wasser abzudrehen, in dem Wissen, so tierschutzwidrige Umstände schaffen zu können. Da der RZV Courage beweist muss man offenbar weitere Mängel präsentieren. Plötzlich gibt es keinen unterschriebenen Mietvertrag. Ein sehr kulanter Vermieter, der ohne gültigen Mietvertrag die Leute da belässt wo sie sind. Immerhin sagt man ja das überwintern zunächst zu. Der Gegenwind vom Vermieter kommt nach diversen Zeitungs- und Fernsehartikeln. Ein Schelm wer denken könnte es gab auch andere Druckpunkte.
    Das Argument der unsicheren Rettungswege wurde ja leider durch einen couragierten sachkundigen Mitbürger zerschlagen.
    Aber man hat ja noch die schlechte Vergangenheit des Zirkus. Abgesehen davon, dass mir entgangen ist, was das mit der aktuellen Situation zu tun hat verzichtet man auf die Entstehungen der vergangenen Meldungen. Es war stets zuerst die Peta anwesend.
    Beim Thema Peta fällt mir ein, dass sich diese Organisation, welche ja bekanntlich stets das beste für die Tiere will, sich nicht gegen die Abstellung des Wassers wehrte und nach der Ortsbegehung durch das zuständige Fachamt auch sonst keine Mängel mehr monierte.
    Mag der Chef des Zirkus auch seine Mängel und Unzuverlässigkeiten haben, dieses Vorgehen hier scheint mir doch sehr "zweckgerichtet". Schlimmeres mag ich angesichts der Staatsgewalt gar nicht in den Mund nehmen.

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